Papiertheater-Forum

Normale Version: Protokoll einer Aufführung
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pappcartoon

Ich finde es schon tröstlich, daß es nicht nur mir so geht, Harry. Danke.

Ich neige nämlich dann gleich dazu, mich selbst in Frage zu stellen ("War ich nicht gut? Hat die Vorstellung keinem gefallen?") und das ist Gift für meine zarte Künstlerseele.
Betsi, du spielst nicht für andern, du spielst für dich selbst. Weil du so gerne die Geschichten erzählst. Die Andere haben es nicht verstanden, oder waren das falsche Publikum. Oder müssen sich vielleicht noch am Medium Papiertheater gewöhnen.
Aber wichtig ist es. Man spielt für sich selbst.

pappcartoon

Äh... nun ja... wie soll ich's sagen... ich nicht. Also nicht immer, jedenfalls. Ich spiele, weil ich den Applaus, das Lob - und im besten Fall auch noch Geld dafür haben möchte.

Okay, und weil ich es kann. Ich war schon immer eine Angeberin. Blush
Wir sind uns soo verschieden.
Ich habe meine träume, die möchte ich sehen, das Medium ist weniger interessant, es ist eben Papiertheater weil ich das zufälliger weise ziemlich gut kan. Bin aber zum Beispiel kein Sammler.
Habe auch keine Bilder usw. nur digitale Daten weil ich die benütze.

Das traurige am Ende ist, das was ich träume nie so zu Stande kommt als ich mir wünsche.
Da bin ich fast immer unzufrieden (und unsicher) Weiterhin weil wir ja selber spielen sehe ich diese träume im Theater sogar selber nicht.

pappcartoon

(10.06.2012 19:50)Harry Oudekerk schrieb: [ -> ]... Das traurige am Ende ist, das was ich träume nie so zu Stande kommt als ich mir wünsche.
Da bin ich fast immer unzufrieden (und unsicher) Weiterhin weil wir ja selber spielen sehe ich diese träume im Theater sogar selber nicht.

Sooo verschieden sind wir nicht, denn diese Unzufriedenheit und Unsicherheit kenne ich auch.

Aber trotzdem machen wir weiter.

Wir sind schon komisch, oder? Wink

pappcartoon

Wir sind eben heimgekommen, der Erstgeborene und ich. Ich bin aber leider noch viel zu aufgedreht, um jetzt ins Bett gehen zu können.

Lasst mich also bitte noch kurz ein bißchen angeben, denn heute hab' ich den Tempel gerockt, Herrschaften!

Ich habe die Bühne schon am Nachmittag in einer dämmrigen Seitenkapelle aufgebaut, da abends nach dem Jugendgottesdienst und der Kirchenführung ein Konzert des Chores stattfinden sollte - da hätte ich schlecht mit meinem Kram herumscheppern können (selbst wenn der Aufbau schnell und routiniert abläuft).

Heute konnte ich wieder hinter dem Vorhang spielen - auch wenn ich das System noch einmal überarbeiten muß, denn beim Aufstellen ist mir ein Teil meiner raffinierten Konstruktion kaputtgegangen und ich musste mit Geschenkband und vielen Knoten improvisieren. Zum Glück ist es in der Kirche nicht besonders windig und die Sache hat gehalten (ich spiele hinter dem Vorhang wesentlich freier - und entsprechend mehr Gaudi hat das Publikum).

Als alter Hase im Showgeschäft war ich außerdem schlau genug, mir eine zusätzliche, kleine Lampe mitzunehmen, um im Dämmerdunkel hinter der Bühne meinen Text im Auge zu behalten und die richtigen Knöpfe auf den "Sound Boxes" drücken zu können.

Um zehn Uhr ging's dann eeendlich los. Ich war die Ruhe selbst, obwohl ich in den Stunden vor der Aufführung ziemlich Lampenfieber hatte. Wenn's aber dann losgeht, übernimmt eine Art "Autopilot" die Steuerung und ich habe keine Zeit mehr, nervös zu sein - dann wird gespielt und fertig.

Es waren überraschend viele Zuschauer da, die Geräusch-Effekte (Danke, Harry!) haben die Sache ganz wundervoll aufgewertet und als der Herr Pastoralreferent als "Pappkamerad" auf die Bühne gekommen ist, hat's das Publikum fast von den Bänken gehauen vor Lachen.

Hinterher hat er sich überschwänglich vor allen Leuten bei mir bedankt und als ich ihm dann seine Figur verehrt habe (ich kann mir jederzeit eine neue basteln), war er ganz gerührt, der Gute.

Doch, ja - diese Mission im Auftrag des Herrn war äußerst erfolgreich. Vor allen Dingen deshalb, weil mich jetzt ein paar mehr von den "richtigen" Leuten kennen und mich wieder engagieren bzw. weiterempfehlen werden.

Angel ... halleluja - SO macht Theaterspielen Spaß!
Gut fur dich, na Gratuliere.
oh liebe betsy,
ja so gehts. mach bitte weiter so und lass dich nicht beirren vonn irgend welchen muffeln. ich hatte am 22. meine bauchladenbühnepremiere mit einem sehr stark verkürzten DORNRÖSCHEN, wobei der prinz als mein 70jähriges geburtstagskind und dornröschen als seine frau personalisiert wurden. Die stegreif-geschichte gewürzt mit einigen wenigen schwyzerdütsch worten und bekannten tatsachen aus dem leben "des Prinzen" hat die geselschaft fast in schwimmbecken fallen lassen. heute sende ich einmal ein erstes foto von der premiere. ich bekommen aber noch viel bessere.
Euer ulrichderkulissenschieber

pappcartoon

Jepp - SO muß das laufen, dann macht's erst richtig Spaß!

Mein Auftritt am 19.05. war zwar schlecht beworben, aber längst nicht so wenig beachtet, wie ich dachte... er zieht jetzt mindestens zwei Nachfolge-Aufträge nach und ein interessantes Projekt für die Herbst-/Winter-Saison.

pappcartoon

Aufführung 1) am 20.10., abends

Im Publikum: nur Erwachsene – die Honoratioren des Vereins und einige, die das Stück bisher nicht gesehen haben, aber gehört haben, daß es so nett wäre und die darum neugierig waren.

Ich habe den ursprünglichen Jubiläums-Bilderbogen ein bißchen geändert: ein paar Szenen sind rausgeflogen (Kirchen, Sportverein, Schule, Siedler) und wurden durch spezielle WAPE-Szenen (Rama dama, Schneckenhaus, Spielmobil etc.) ersetzt.

Ebenfalls neu war die Bühnenkonstruktion: festes Proszenium und eine geniale Halterung für den Text, die mir ein wesentlich angenehmeres Spielen ermöglicht. Alle fünfzig (!) Darsteller inkl. der neuen WAPE-Figuren waren an Ort und Stelle und der Rahmen, in dem sie auf ihren Einsatz gewartet haben, war dank eines kleinen Kunstgriffs stabiler als früher.

Die Plakatwand mit den Collagen zu den einzelnen Jahreszahlen und Begebenheiten stand auf einem separaten Tisch daneben und dahinter hatte ich genug Platz, um die nicht mehr benötigten Figuren und Collagen abzulegen.

Mit fünf Minuten Verspätung habe ich angefangen; der Raum war voll und im Flur dahinter sind auch noch Zuschauer gestanden. Alles in allem gut fünfzig Zuschauer, würde ich sagen. Ich habe sie nicht gezählt, ich war ein bißchen aufgeregt.

Zum Glück habe ich das Stück bereits fünfmal gegeben und darum hatte ich es „drauf“. Sobald ich angefangen hatte, gab’s kein Halten mehr und weil mich niemand gesehen hat und ich bequem stehen konnte, habe ich noch mehr Gas gegeben als sonst. Auch die neuen Szenen gingen problemlos über die Bühne, obwohl ich sie aus Zeitmangel nicht extra proben konnte, sondern nur laut durchgelesen habe. Das Publikum ist gut mitgegangen und hat an den richtigen Stellen gelacht – und zwar richtig lang und laut.

Die Sound-Effekte aus meinen kleinen Wunderschachteln waren dabei recht hilfeich.

Kaum fünf Monate nach der Premiere wird die Mühe, die ich in dieses Projekt gesteckt habe, endlich entsprechend gewürdigt. Ein schönes Gefühl! (Ebenfalls schön waren die zahlreichen Spenden, die ich später in meiner Box gefunden habe. Diese Form der Anerkennung mag ich fast noch mehr als den Applaus.)

Dieser Auftritt wird auf jeden Fall noch ein paar Nachspiele haben.

Der Chef vom Theaterverein (die hiesige Volksbühne habe ich mit zwei fiktiven Darstellern und gehörigem Augenzwinkern im Stück thematisiert) hat mir außerdem erklärt, daß ich auf eine richtige Bühne gehören würde und mich nicht hinter einer Wand zu verstecken bräuchte. Das Lob ging runter wie Öl.

Ein anderer Zuschauer war sehr interessiert am Papiertheater an sich; leider hatte ich ausgerechnet gestern den blauen Hefter nicht dabei, mit dem ich diese alte Theaterform gelegentlich vor der eigentlichen Vorstellung ein bißchen erläutere. Diesen Trick hab’ ich mir von Herrn Chmel abgeschaut, aber den Hefter mit den Illustrationen hatte ich schon vorher.

Es kamen die üblichen Fragen: was ich denn studiert hätte (Grafik oder Theaterwissenschaft?), was ich beruflich machen würde (Sprachtherapeutin oder Lehrerin?), ob ich die Figuren selbst zeichen würde (mindestens 98 % sind von mir), ob ich auch in der Schule/im Kindergarten/auf der Weihnachtsfeier spielen würde (Aber gern: bitte nehmen Sie eine Visitenkarte und rufen Sie mich an!) und woher ich diese witzigen Einfälle nähme (bei dieser Frage muß ich passen – ich weiß es nicht).

Beim Abbau musste ich mich beeilen, denn es stand noch eine „Krimi-Lesung“ auf dem Programm. Vor lauter Eile habe ich eine Öse an der Rückwand des Proszeniums abgerissen, aber ein bißchen Schwund is’ immer.

Zusammenfassend lässt sich sagen, daß ich einen (fast) perfekten Auftritt abgeliefert habe.
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