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Sind Papiertheaterspieler auch Autoren? - Brigitte L. - 19.11.2011 20:19 Liebe Papiertheaterspieler- innen Mein Problem: Es gibt eine gute Geschichte, die Bilder dazu sind bereits im Kopf, teilweise schon umgesetzt, doch dann fehlt der Text! Das Original ist zu lang oder auch zu langatmig.Was tun? Mit meinen Versuchen einen Text umzuschreiben bin ich bisher insofern gescheitert, dass ich nie zurfrieden war. Habe ich mich in die Situation des Zuschauers versetzt, gab ich frustriert auf. Das hätte mich nicht begeistert- Aktuell: Das Märchen von Andersen, Mädchen mit den Zündhölzern. Die Geschichte ist ruckzuck erzählt oder vorgelesen. Kaum oder gar keine direkte Rede. Was tun? Wie geht Ihr, (wie gehen Sie), damit um? Kann mir jemand einen Rat geben, wie ich einen kurzen Text in ein Stück für eine kleine Bühne mit schönem Bühnenbild bekomme? Freundliche Grüße Brigitte L. RE: Sind Papiertheaterspieler auch Autoren? - Harry Oudekerk - 20.11.2011 01:54 Persöhnlich benütze ich wenig Dialoge weil ich es schwer finde (besonders die Frauen)Stimme glaubwürdig zu sprechen. Da wird es schnell Kasperl Theater. Ich mache es wie man in Dokumentar filme macht: Zum Beispiel: Rotkäppchen geht ins Wald zu die Grossmutter: Sprechstimme: Es war sehr warm und der Weg war lang und da war plötzlich der Wolf. Der sah sie an und dachte wie herrlich sie aussah: Wolf: Ja... zum Auffressen. Rotkäpchen:Guten tag Herr Wolf: Sprechstimme: Sagte Rotkäppchen das eine sehr nettes Mädchen war..... Warum? Weil ein Stück ein bestimmter Rhythmus hat oder habe soll. So kann man ohne zuviel Dialog die Zeit fullen. Die Sprechstimme erzählt und erklärt die Handlung. Die Stücke Dialog bestätigen was die Sprechstimme sagt und zu gleicher Zeit gibt sie die richtige Farbe oder Nuance an diesen Dialoge. Sprechstimme: Erklärt, behauptet, argumentiert, Dialog: Bestätigt, illustriert. Hier kan man auch Spannung entstehen lassen zwischen beide Textarten. da kann die Kommentar stimme ironisch sein weil die dialoge sehr ernsthaft sind oder vice versa. Da ist ein Unterschied zwischen: A: "Ich habe es kalt." dachte sie. B: "Ich habe es kalt." fand sie. C: Ich habe es kalt." entdeckte sie. Dialog is immer dieselbe: "Ich habe es kalt." aber die Kommentarstimme gibt hier die Farbung, Nuance. Das kan ironisierend oder sogar Komisch wirken. Hinzu weil als der Kommentaartext schon deutlich ist wer spricht ist der Unterschied zwischen den Akteure im Dialog nicht mehr so wichtig. I so do hope this makes sense one way or another Harry RE: Sind Papiertheaterspieler auch Autoren? - Ulrich Chmel - 20.11.2011 19:04 Liebe Brigitte, jeder geht natürlich an die Lösung solcher Fragen anders heran. Das Mädchen mit den Schwefelhölzchen ist eines meiner Lieblingsmärchenstücke. Nachdem ich den PRIOR (ich galube?)Bogen hatte, schrieb ich anhand der vorhandenen Figuren einen erzählenden Text und lieh dann den einzelnen Personen zusätzlich meine Stimme. Ich habe dann noch für den Anfang eine arme Stube hinzugefügt und ein Elternpaar im Stile der anderen Figuren gezeichnet. Diese Eltern lasse ich dann auch sprechen und das Mädchen in die Stadt schicken. Am Stadtplatz (veschneit!) begegnen dann dem Mädchen die Figuren aus dem Priorbogen und führen kurze (natürlich abweisende) Dialoge mit dem Kind. Danach erscheinen die Träume, die ich erzählend kommentiere. Auch der tragische Schluß mit der Großmutter wird fast nur erzählt. Vor einiger Zeit habe ich noch eine Kutsche gezeichnet, die zu Beginn der Handlung an dem Mädchen vorbeifährt. Dabei blase ich den (Papier)Schnee wie einen Wirbel auf. Begleitet wird das Stückchen mit zärtlicher Klaviermusik. Aber wie gesagt, jeder muß seine Lösung finden, mit der er gut umgehen kann. Liebe Grüße aus Wien sendet Ulrich RE: Sind Papiertheaterspieler auch Autoren? - die amelie - 20.11.2011 20:09 ich verstehe deine bedenken nur zu gut, Brigitte! ganz ohne dialog wirkt es weit weniger dynamisch, denke ich mal. eine mischung habe auch ich vor augen: erzähler-stimme und dialoge (ev. wie nach dem englischen vorbild sogar in reimform. das bringt nochmal zusätzlich schwung in die sache und eine eigene note). ich persönlich finde zusätzlich noch viel schwieriger, ein stück zu strukturieren, sodass man nicht für jede szene eine neue variation derselben figur braucht. im gegenzug habe ich die befürchtung, das ganze würde zu statisch. ein spannendes thema, das du da eröffnet hast! danke! liebe grüße von der amelie RE: Sind Papiertheaterspieler auch Autoren? - Benno Mitschka - 21.11.2011 19:59 Obwohl beim Film Voice Over ziemlich verpönt ist, weil zu viele faule Drehbuchautoren auf diesen Kniff zurückgegriffen haben, wenn Ihnen nichts eingefallen ist, wie sie ihre Geschichte in Bilder und dramatische Situationen umsetzen können, halte ich das für Papiertheateraufführungen ziemlich ideal. Harry Oudekerk hat das ja schon schön ausgeführt, wie das prinzipiell funktioniert. Ich möchte an dieser Stelle einfach mal Werbung für Stanley Kubricks Meisterwerk 'Barry Lyndon' machen. In diesem Film sind so ziemlich alle Möglichkeiten, die ein Erzähler aus dem Off bietet, meisterhaft angewendet. Da bekommt man gerade als Papiertheaterspieler wunderschöne Anregungen, was man mit dieser Erzähltechnik alles erreichen kann. Vom genialen Musikeinsatz in diesem Film fange ich erst gar nicht an... Aber auch da kann man für Papiertheateraufführungen sehr viel lernen... Das Duell gleich nach dem Vorspann könnte man fast 1:1 auch im Papiertheater genau so umsetzen: Liebe Grüße Benno RE: Sind Papiertheaterspieler auch Autoren? - Brigitte L. - 21.11.2011 20:32 [quote='dieamelie ganz ohne dialog wirkt es weit weniger dynamisch, denke ich mal. [/quote] Der Meinung bin ich auch. Ich denke die Mischung macht es, wie in allen Beiträgen deutlich wird. Ich habe mich zu sehr auf die Dialoge konzentriert. Das wirkt oft viel zu überladen. Ausserdem sind es manchmal Lückenfüller, um die Zeit etwas zu längen. Das youtube Video macht es schon sehr deutlich, wie auch Harry und Ulrich geschrieben haben. Zum Teil habe ich die Reimform gewählt. Doch da kam ich schnell zu dem Punkt : "Reim dich oder ich fress dich." Gerüstet mit den guten Hinweisen, werde ich mich wieder frisch ans Werk machen. Danke an alle. Brigitt |