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Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Judith R. - 26.03.2012 17:41 Hallo alle miteinander, es ist geschafft! Wir haben unseren Prof dazu überreden können, unsere Abschlussarbeit zum Thema Papiertheater schreiben zu dürfen. Der erste Teil der Thesis besteht nun darin eine kurze Hausarbeit von ca. 15 Seiten zu schreiben, der zweite Teil folgt dann Mitte/Ende April. In diesem schriftlichen Teil geht es nun darum, die Papiertheaterszene zu analysieren und auf dessen Basis dann eine Prognose zu stellen, inwiefern Tendenzen und Möglichkeiten bestehen, Medien wie Licht, Sound, Video, Laser in die Aufführungspraxis von Papiertheater-Inszenierungen mit einzubeziehen und somit das Papiertheater zu modernisieren. Ich habe mir nun so meine Gedanken dazu gemacht, würde aber gerne auch die Meinung anderer dazu hören. Also was ist Euer/Ihr Eindruck hinsichtlich dieses Themas? Inwieweit wird der Einsatz von Medien das Papiertheater und seine Szene verändern, wenn dies überhaupt angenommen und akzeptiert würde? Wann hört das Papiertheater auf Papiertheater zu sein? Wie kommt das allgemein überhaupt an, wenn verstärkt Medien eingesetzt werden? Die Geschichten an sich könnten auch eine Modernisierung erfahren. Quietschende, hysterische, in Ohnmacht fallende Frauen am laufenden Band sind ein bisschen...altbacken und nicht lustig, sondern eher lächerlich. Warum nicht einfach mal an neuen Geschichten ansetzen, Helden der Gegenwart einfach ein bisschen "Retro" dargestellt, die auch das Interesse der Jugend wieder wecken. Das gilt als "kultig" und würde bestimmt gut ankommen. Was wünscht sich die Szene mehr?! Dabei ist es eigentlich relativ einfach... man vergisst ja nicht den Hintergrund und die Geschichte, die dahinter steht. Ich schweife ab ![]() (Ich verweise gerne auf das letzte Papiertheatertreffen in Preetz. Wir von der Muthesius hatten viel mit Licht und Soundeffekten gearbeitet und u.a. nicht live gesprochen (auch wenn das kaum jemandem aufgefallen ist). Das schienen große Kritikpunkte gewesen zu sein, allgemein war die Meinung sehr positiv, man wurde aber das Gefühl nicht los, belächelt zu werden, weil es ja kein "richtiges" Papiertheater war. Ebenso hatten wir das Gefühl bei "La belle au Bois Dormant version Mode et Travaux 1979 –Dornröschen in der Ausgabe Burda Moden 1979" von Fred Ladoué und bei Robert Poulter.) So weit, so gut Wenn sich jemand dazu äussern möchte, bin ich demjenigen sehr dankbar ![]() Ich schreib dann mal weiter an der Analyse und hoffe auf eine Meinung...oder auch zwei...oder drei Liebste Grüße, Judith RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Robert Jährig - 27.03.2012 15:29 Interessant, ich finde nur die Herangehensweise etwas zu oberflächlich. Was ist das konkrete Thema und wo liegen Diene Ansätze? Was willst Du erreichen und was soll das Ergebnis sein? RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Judith R. - 27.03.2012 18:29 Vielen Dank schonmal für das Interesse! Wahrscheinlich hab ich das Thema wirklich etwas zu oberflächlich und salopp formuliert. Eigentlich besteht das Thema (laut Aufgabenstellung) wirklich nur darin zu erläutern, inwiefern es möglich ist, Medien wie eben Laser, Video etc verstärkt in das Papiertheaterspiel einzubinden. Das Papier spielt zwar augenscheinlich die Hauptrolle, wird aber unterstützt durch verschiedene visuelle und akustische Effekte oder auch ironisiert... An der Thematik habe ich bereits schon letztes Semester gearbeitet und auch einiges praktisch erfahren können. Z.B. können Effekte verstärkt werden, Tiefen erzeugt, das Bild einfach spannender gestaltet werden, wovon auch letztendlich die Geschichte profitiert usw.Das Thema ist längst noch nicht ausgeschöpft, aber auch nicht Hauptbestandteil meiner Frage hier. Mir geht es hier nun um eine Schlussfolgerung, die ich am Ende der theoretischen Thesis ziehen soll. Ansatzpunkt für diese Schlussfolgerung ist die Analyse der Papiertheaterszene, ihre Entwicklung seit ihrer Entstehung und ihre Selbstdarstellung heute. Den geschichtlichen Hintergrund habe ich soweit schon erfasst, habe viel im Internet geschaut und gelesen, unser Prof hat uns viel erzählt, war bei Dirk Reimers und hatte die Möglichkeit vier Wochen lang mit Robert Poulter zu arbeiten. Trotzdem ist es schwer, die Meinung der aktuellen Papiertheaterszene zu erfassen und die Stimmung und Tendenzen darin. Viele halten an dem klassischem Papiertheater fest. Rümpfen die Nase über Stücke, die nicht diesem klassischem entsprechen. Frei erfundene Figuren und Geschichten werden skeptisch beäugt, WENN es um das Thema geht "Ist das Papiertheater oder nicht?". In Preetz wurden wir gelobt und hatten durchweg positive Resonanz, dennoch wurde viel kritisiert, wenn wir auf Leute trafen, die uns mit Papiertheater verglichen. Unsere Bühne fiel aus dem Rahmen, Licht und Sound wären zu aufwendig und zu pompös gewesen, man hat uns Spielende hinter der Bühne weder gehört noch gesehen usw. Die Leute, die da waren, waren ja (hoffe ich) nur ein kleiner Teil der Papiertheater-Szene. Die anderen Spielenden haben uns willkommen geheißen in ihrer "Runde", uns mangelte es zwar an Erfahrung, dennoch haben wir alle positiv überrascht. Nun habe ich diese zwei Seiten: Einmal die Fraktion, die an dem klassischem Papiertheater festhält, mit klassischen Schneidebögen, eine Bühne hinter der der Spielende gut sichtbar "mitspielt", klassische Geschichten usw und zum anderen die, die das ganze anders angehen, ein bisschen modernen Schnick-Schnack einbinden und eigentlich nur von der Essenz des Papiertheaters ausgehen, nämlich 2Dimensionale Figuren in einen 3Dimensionalen Raum agieren zu lassen, großer Interpretationsspielraum möglich. Dass sich diese beiden Fraktion ausschließen, will ich nicht sagen, aber dennoch werden Leute wie schon genannt Rober Poulter, Fred Ladoué, wir selber belächelt, wenn es darum geht zu beurteilen, ob das denn überhaupt Papiertheater sei. Andererseits hat Poulter immer wieder betont, dass er kein Papiertheater macht, sondern "New Model Theatre". Ziemlich verwirrend das ganze, zumindest wenn man nun dazu gezwungen wird, sich auf die "Papiertheaterszene" zu berufen. Ich wollte eigentlich nur ein persönliches Gefühl dafür bekommen, wer denn eigentlich diese Szene ist und wie sie denn auf den Einsatz von modernen Techniken reagiert würde. Um die gesellschaftliche Bedeutung vom Papiertheater geht es mir zunächst gar nicht so stark. Inwiefern sich eine Modernisierung vom Papiertheater auf die Popularität auswirken könnte, möchte ich auch zunächst nicht eingehen. Also zum Schluss eigentlich nur die ganz profane Frage: Wie schätzt ihr/ schätzen Sie, als Mitglied der Szene, die Reaktion auf den Einsatz von Lasern, Videos, Sound etc. in der Spielpraxis vom Papiertheater ein und wie seht ihr/sehen Sie das persönlich? Gibt es diese Möglichkeit überhaupt, sind Tendenzen da, könnte es akzeptiert werden oder steht das ausser Frage und müsste im Falle eines Falles vielleicht eine Unterkategorisierung unter dem Oberbegriff "Papiertheater" eingeführt werden? Oder vielleicht eine ganz neue Bezeichnung... Liebe Grüße RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Ulrich Chmel - 28.03.2012 16:39 Liebe Judith! Nachdem ich vorhin meine Antwort offensichtlich zu schnell absenden wollte, habe ich sie wahrscheinlich ins Datennirwana geschickt. Also fange ich nochmals an, weil mir diese Thema sehr am Herzen liegt. Natürlich gibt es im Bereich des Figurentheaters (als Überbegriff für alles) Fraktionen. Diese Fraktionen gibt es nicht nur im Papiertheater, die gibt es bei den Handpuppen ebenso, wie bei den Marionetten u.ä. Es gibt da und dort Traditionalisten ebenso wie Erneuerer. Die Szene ist insgesamt ebenso klein wie besonders heterogen. Die Figurentheaterszene, und Papiertheater gehört als Fraktion zu den Figurentheatern, wird zumindest in Österreich sehr in den Bereich des Kaspertheaters gedrängt und tut sich insgesamt sehr schwer, aus dieser Ecke herauszukommen. Nachdem meines Wissens nach die Papiertheaterspieler in Europa an vier bis fünf Händen abgezählt werden können, können Sie davon ausgehen, dass jeder Papiertheaterspieler eine Welt für sich ist. Es gibt keinen gesellschaftlichen Hintergrund mehr. Im 19. Jahrhundert war Papiertheater ein modernes Spielzeug in den bürgerlichen Haushalten. Natürlich wurde damals ebenso Technik verwendet: kleine Petroluemlampen, verspiegelte Glaszylinder für Kerzen, Seilzüge zum Kulissenwechsel wie in großen Theatern, Schellackaufnahmen u.v.a.m. Papierthater zählt heute, in der Zeit der elektronischen Berieselung zu den Exoten überhaupt. Die Szene reicht vom puristischen Dirk Reimers in Preetz, der z.B. eine hinreißende Hommage an Richard Tauber in einem winzigen Bühnchen darbietet bis zum Kölner Kästchentreffen (http://www.kölner-kästchentreffen.de) die mit den Mitteln des Papiertheaters, wie auch des Figurentheaters absurdes zeitgenösisches Theater spielen. Die Szene reicht vom Ariensingenden Papiertheaterspieler mit klassischem Bühnchen über hochtechnisierte Spieler mit offener Spielweise bis zu Technikfreaks die keine technische Errungenschaft unserer Zeit auslassen. Eben der gleiche Dirk Reimers und seine Frau zeichnen aber auch eigene Stücke, die sie auch selbst schreiben. Sie sehen wie schwer es ist, hier von ener einheitlichen Szene zu sprechen. Um auf Ihre letzt Frage besonders einzugehen: Natürlich werden heute LEDs in allen Spielformen und Preislagen, elektronische Tonträger, tolle Nebelmaschinen und alles was Sie sich vor- und auch nicht vorstellen können beim Figurentheater und natürlich auch beim Papiertheater eingesetzt. Die Rezeption durch das Publikum ist durchaus ausgezeicnet, wenn diese technischen Hilfsmittel solche bleiben und das Herzblut des Spielers im Vordergrund steht und seine Begeisterung für die Interpretation eines Stückes auf das Publikum überspringt. Wenn mein Papiertheaterfreund an der Ostsee seine Cancan-Tänzerinen zum "Schwingen der Beine" bringt, oder "meine" Elisabeth im Tannhäuser auf offener Bühne theatralisch sterbend dahinsinkt ist natürlich immer ein klein wenig Technik aber ein Übermaß an Begeisterung dabei. Manchmal gelingt es dann, dass diese Begeisterung einen jungen Menschen unserer Zeit derart erfaßt, daß er auch versucht ein Papiertheater zu bauen und damit ein Stück aufzuführen. Das ist dann für den betroffenen Papiertheaterspieler ein Festtag. Für das Figurentheater, hier im besonderen für das Papiertheater, gilt meiner bescheidenen Meinung nach, wie für die gesamte kreative Landschaft: Nicht die Asche hüten, sondern das Feuer weitertragen! In diesem Sine sende ich Ihnen liebe Grüße aus Wien und wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Arbeit Ihr Ulrich Chmel RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Klaus Beelte - 30.03.2012 22:43 Hallo Judith, Ulrich hat mit seinen Betrachtungen schon sehr weit ausgeholt. Ich möchte ergänzend anmerken, dass jede Zeit ihre technischen Möglichkeiten zum Theaterspiel auch auf der Papiertheaterbühne nutzte. So zeigt uns das Titelbild der PapierTheater Nr. 19 aus 2001 (siehe Vereinshomepage - Zeitschriften PapierTheater) den Einsatz einer Laterna Magica zur Hintergrundprojektion - ob nur als Prospektbeleuchtung oder darauf als wechselnde Bilddarstellungen von hinten ist nicht erkennbar. Beides ist aber durchaus vorstellbar und wäre naheliegend gewesen. Mit dem Aufkommen der ersten Schallplatten kamen die in diesem Forum bereits recht ausführlich behandelten Kurzopern auf den Markt und fanden reißenden Absatz - und wahrscheinlich auch häufige Anwendung zum Spiel. In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhundert wäre niemand gesteinigt worden, hätte er mit einer Super-8-Einblendung einen Szenenablauf dargestellt. Es ist nur nicht überliefert, ob es jemand versuchte. Vor nun schon etwas längerer Zeit suchte ich hier im Forum um Ratschlag zu einer Möglichkeit, den Brand einer Straßenzeile auf offener Bühne darzustellen und bekam etliche gute Anregungen. Dennoch ließ sich damit nicht das darstellen, was in das von mir geplante Bühnenstück die notwendige "Würze" bringen könnte. Mit einem Flachbildschirm als Hintergrund ließe sich die Szene gut und Brand-sicher in wie erforderlich kürzester Zeit darstellen - doch ich bin zeitlich noch nicht soweit und ich weiß nicht, ob mir letztendlich nicht auch der Mut hierzu fehlen würde. Ich glaube aber nicht, dass es absolute Sünde wäre, mit solcher Technik zu arbeiten - und wenn ich sie nutzen würde, würde ich darauf vertrauen, dass Zuschauer einer Papierthateraufführung in den seltensten Fällen faule Eier griffbereit in ihren Hosentaschen hätten... Soweit meine Meinung zu verwendbarer Technik. Ein anderer Punkt - und sicher einer eigenen und kontroversen Diskussion würdig - sind die zur Aufführung auf einer Papiertheaterbühne gelangenden Stücke. Ich persönlich bin da recht konservativ: Stücke müssen bei mir erkennbaren Inhalt haben! Irgendwann in meinem bisherigen Leben verließ ich wutschnaubend ein Theater, in dem ein Stück für Mund und Overhead-Projektor gegeben wurde. Ein sicher hochdotierter Professor summte vor sich hin oder schnalste mit der Zunge und malte gleichzeitig auf der Projektor-Folie für die Zuschauer sichbar entsprechende Kurven bzw. Punkte oder Striche. Ich kam mir höllisch verar...... (nee, den Begriff schreibe ich nicht aus, sonst gibt es eine Abmahnung des Administrators), jedenfalls erheblich mehr als nur ein wenig veräppelt vor! Und als nach 23 Minuten (man sage nicht, ich sei nicht geduldig!) noch immer keine Änderung der Darbietungsart in Sicht war, stand ich auf und verließ die Tür hinter mir heftig zu knallend den Zuschauerraum. Auf der Leinwand - so berichtete mir später meine Frau - wurde dies mit einem sehr dicken Punkt dargestellt! Ich hoffe nicht, dass jemand von unseren Papiertheaterspielern auf die Idee käme, auf einer sonst tiefschwarz gehaltenen Bühne seitwärts einen roten Steg zu stellen und zu behaupten, das sei die Felsplatte, von der sich Wilhelm Tell in seinem Nachen abstößt. Überlaßt das Experimentieren den großen Bühnen, die zu wenig Geld haben, richtige Stücke auf die Bretter zu bringen, oder die aus anderen Gründen meinen, große Werke ihrer eigentlich zugehörenden Zeit entreißen zu müssen, um sie in irgendwelchen zeitkritischen Räumen anzusiedeln (schön, das noch nicht versucht wurde, Mozarts Musik neu zu schreiben, die Erstürmung des Sarastro-Palastes durch die Königin und Monostotos mit einem hineingestürzten Flugzeug im Folgejahr des 11. September hat mir wirklich gereicht). Mit einem zusammengeknüllten Stück Papier, gefalteten Schwalben oder auf Wäscheleinen gehängte Noten als "Papiertheater" habe ich ein echtes Problem. Das mögen zwar irgendwo interessante Impressionen sein, aber was wollen sie uns sagen?!? Ich brauche die Ansprache über das Theater - auch beim Papiertheater! Sicher gibt es auch erbauliche Bilder, die ohne wesentliche Handlung und Text auskommen (ich denke an Per Abrahams Tableau´s oder auch an Haases van-Goch-Interpretationen) und dadurch ihren optischen Reiz mit musikalischer Untermalung haben. Eine weitere Frage wird sein: "Wo hört Papiertheater auf?" Ist es wirklich noch Papiertheater, wenn der Akteur das Papier bzw. die Bühne mit papiernen Figuren und Kulissen nutzt, um sich primär selbst darzustellen? Nicht nur erklärend oder prologdarstellend, sondern als Clouwn, als Sänger, als Mime und sich gegebenenfalls entkleident über oder neben der Bühne ins Geschehen aktiv eingreift und dies bestimmt? Liebe Judith, Ihre Aufgabe ist nicht einfach zu beantworten und zu lösen. Und trotzdem deckt sie nur einen ganz kleinen (wenngleich nicht unwichtigen) Bereich dessen ab, was Papiertheater ausmacht - heute und früher. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Arbeit. Falls Sie Fragen haben oder sonstige Diskussion wünschen, kommen Sie gern über PN auf mich zu. Kronshagen ist wirklich nicht weit von Ihrem Studienort entfernt und die vier Kilometer schaffen wir mit dem Fahrrad! Viele Grüße Klaus RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Brigitte L. - 31.03.2012 13:22 Liebe Judith, ich kann mich nur den ausführlichen Beiträgen von Klaus und Ulrich anschliessen. Tendenzen sind meiner Beobachtung nach schon seit einiger Zeit zu erkennen. Im Jahr 2004 war ich das erste Mal in Preetz. Verglichen mit 2011 hat sich hinsichtlich Technik, auch inhaltlich einiges verändert. Im letzten Jahr in Preetz habe die Vorführung von Muthesius gesehen auch die von Fred Ladoué. Ganz bewusst habe ich mir Stücke ausgesucht, die vom konventionellen Papiertheater etwas abweichen. Genau die Frage hat mich beschäftigt, welche Möglichkeiten Licht und Soundeffekte und weiterführende Technik sich mit dem Papiertheater verträgt. Vor allem, wie junge Menschen mit dem Medium umgehen. Belächelt habe ich keine Vorführung. Mir hat nicht jedes Stück gefallen, teilweise waren die Effekte für meinen persönlichen Geschmack zu überladen und übertrieben. Ob es tatsächlich noch mit Papiertheater zu tun hat, ist sicherlich auch eine ganz persönliche Ansicht. Betrachtet aus dem Gesichtspunkt des Ursprungs 19.Jhd, bis heute hat sich beim Papiertheater eine teilweise gewaltige Entwicklung ergeben. Wie auch Gesellschaftformen sich verändert haben. Wie weit für das Papiertheater die Jugend zu begeistern ist bleibt abzuwarten. Das Thema beschreibt schon Klaus Beelte in seinem Beitrag. Auch die Theater werden nicht voller, sondern leerer. Die Jugend, auf die man doch gesetzt hat, bleibt aus. Trotz Sound- und Lichteffekt und manchmal für mich nicht nicht mehr zu verstehender Veränderung der Klassiker. Das Besondere am Papiertheater ist meiner Ansicht nach, dass jeder sein persönlicher Theaterdirektor, Autor, Schauspieler Bühnenbildner, Beleuchter ...usw. ist. Das erklärt diese Vielfalt von unterschiedlichen Bühnen. Die Vielfalt von Interpretationen der bekannten Stücke, technisch versiert oder Glühbirnen beleucht, live oder vom Band gesprochen und oder gesungen. Und die modernen, selbst ausgedachten Geschichten, die mit "Zeitreise" vermischten Klassiker. Kurz , jedes Stück ist ein Unikat. Jugend und Nachwuchs wär toll. Doch muss sich deshalb nicht das Papiertheater verändern, sondern es kann eine Plattform für eigene Ideen und Darstellungen kreativer Möglichkeiten werden. Sich einander ergänzen. Wie 2011 in Preetz. Lieben Gruß Brigitte RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Ulrich Chmel - 01.04.2012 15:47 Liebe Brigitte, Sie haben den allerwichtigsten Satz gesagt: "Belächelt habe ich keine Vorführung. Mir hat nicht jedes Stück gefallen,.........." :DDafür kann ich Ihnen gar nicht genug danken.Ich möchte noch etwas dazu sagen: Kinder für Papiertheater begeistern, Ihnen Tricks vorführen, die Illusion nähren, die Phantasie entwicklen, mit spielen lassen, einfache Theaterchen mit ihnen bauen, den Kindern beim Spiel helfen. Das ist Zukunft. Das ist "Das Feuer weitertragen!" Mehrfach schon habe ich mit 11 Jährigen Workshops veranstaltet und als Lohn dafür rote Backen und glänzende Augen der beteiligten Kinder erleben dürfen. Darum: auf auf zu den Kindern, laßt sie zeichnen, basteln, Theaterspielen. Verleiht der Phantasie der Kinder Flügel. Sie sind dankbar dafür. Liebe Grüße aus Wien Ihr Ulrich RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Robert Jährig - 02.04.2012 17:59 Hallo Judith, auch ich schließe mich den Ausführungen meiner Vorschreiber an. Bei meinem Workshop in einer Schule habe ich feststellen können, dass für Kinder es sehr wohl interessant ist, auch klassisch Papiertheater zu spielen. Es muss nicht immer alles gleich modernisiert werden. Ich finde es persönlich wesentlich wichtiger, dass die Kinder sich selbst kreativ einbringen können. In unserer hoch technisierten Zeit, die selbst vor einfachen Spielzeug nicht halt macht, ist das Papiertheater ein Bereich, der sich noch wohltuend davon abhebt. Der Einsatz von Tonkonserven (ich vermeide bewusst hier Anglizismen) mag dem Spieler zwar das Spiel erleichtern, aber nicht immer und überall ist es angezeigt. Beim Publikum kommen real gesprochene Aufführungen, die manchmal auch kleine Schönheitsfehler haben können, wesentlich besser an. Außerdem hat man bei solchen Aufführungen auch die Möglichkeit auf Reaktionen des Publikums einzugehen. Beim Einsatz von Tonkonserven habe ich eine solche Möglichkeit leider nicht. Auch Effekte, die manuell erzeugt werden, kommen beim Publikum gut an. Als Spieler modernisiere ich ab und zu etwas an den alten Texten, aber dies erfolgt so sanft, daß man davon kaum etwas bemerkt. Das Stück an sich bleibt seinem Charakter dabei treu. Ich schließe mich da Klaus an, ein Stück soll erkennbar bleiben. Ich muss nicht allen „Blödsinn“ der heutigen Theaterszene nachmachen. Das überlasse ich gern den immer leerer werdenden großen Theatern mit ihren in sich selbst verliebten Regisseuren. RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht - Judith R. - 04.04.2012 14:14 Ich danke Ihnen allen recht herzlich für Ihre ausführlichen Antworten!! Sie haben mir sehr, sehr geholfen und es sind großartige Gedanke, die Sie bei mir angeregt haben. Ich werde vieles davon in meiner Arbeit mit aufgreifen. Sehr gerne möchte ich einige Punkte nochmals ansprechen und vertiefen, bin aber momentan etwas unter Stress wegen meiner Thesis, dessen Abgabe in zehn Tagen ist. Die Aufgaben der praktischen Prüfung sind jetzt endlich auch draußen und sie entsprechen fast eins zu eins den Themen des theoretischen Teils. Also ist das, was ich jetzt mache reine Vorarbeit und wird dann im Laufe des Semesters weiter vertieft und dann hoffentlich auch in die Praxis umgesetzt. Ich werde also nach der Abgabe noch einmal ausführlich antworten, hoffe dass Sie mir meinen Zeitdruck nachsehen und bitte Sie um ein wenig Geduld ![]() Nach dem dreiviertel Jahr Arbeit an unserem Papiertheater-Projekt hatte ich gedacht, dass wir schon einen recht guten Einblick in die Welt des Papiertheaters hatten, aber es ist doch vielschichtiger und weitreichender als zunächst angenommen. Aber es macht viel Spaß jeden Tag noch ein bisschen mehr zu entdecken und bin meinem Professor sehr sehr dankbar dafür, dass er es uns ermöglicht hat, unsere Abschlussarbeit darüber zu schreiben. Übrigens fängt in wenigen Wochen das jetzige vierte Semester mit der Arbeit an ihrer Version vom Papiertheater an, um es dann im September in Preetz zu präsentieren. Ich denke, ich werde mich das ein oder andere mal da einschleichen und Mäuschen spielen. Einmal mit Papiertheater infiziert, kann man nicht die Finger davon lassen ![]() Nochmals vielen lieben Dank und die ausführliche Antwort folgt bald!! Liebste Grüße, Judith |