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Das erste (gar garstige) Stück... - pappcartoon - 16.04.2012 10:27 Vorbemerkung:Alles fing damit an, daß jemand in meiner langjährigen "Heimat-Community" (Brigitte.de) die Bemerkung gemacht hatte: "Was ist das denn für ein Kasperletheater hier?" Das war mein Stichwort und schon hab' ich losgelegt mit "Tri- tra- trullala..." Das erste Stück war also kein richtiges Theaterstück im herkömmlichen Sinn, sondern eine Abfolge von einzelnen Sätzen, die sich erst im Nachhinein zusammengefügt haben. Das (virtuelle) Publikum war begeistert und so hat der (virtuelle) Kaschperl mit seiner Crew im (virtuellen) Theater weitergemacht - so lange, bis ich ihn "in echt" sehen wollte mich darum auf die Suche nach einer Theaterform gemacht habe, bei der ich ihn so darstellen konnte, wie ich wollte. Der Rest ist Geschichte... Zum ersten: 29.10.07 - Feuer und Flamme Tri-tra-trullala, tri-tra-trullala... Kaschperl Seid ihr alle da? Grüß Euch Gott, Kinder! Ich bin's - der Kaschperl! Und ich such' gerade den Seppel. Kinder, habt ihr den Seppel gesehen? Kinder (gelangweilt) Is' uns doch wurscht, wo der blöde Seppel abhängt! Kaschperl Wollen wir ihn mal rufen, Kinder, ja? Ruft jetzt alle mit mir mit: Seppel! Seppel! Kinder (genervt) Auf's Maul?! Kaschperl Kinder, schaut's einmal, wer da kommt: der Herr Wachtmeister! Den frag' ich jetzt mal, ob er weiß, wo der Seppel ist. Herr Wachtmeister, Herr Wachtmeister, hast du den Seppel gesehen? Schutzmann Seppel? Kenn' ich nicht. Aber ich suche den Halter des grün-blau-rot-karierten Fahrzeugs, das da hinten in der Feuerwehrzufahrt parkt. Können Sie mir da eventuell einen Tipp geben? Kaschperl Uiii, Herr Wachtmeister - grün-blau-rot-kariert, sagen sie? Genau so, wie mein Kaschperl-Kostüm vielleicht? Und das steht in der Feuerwehrzufahrt? Na sooo was... Kinder, wer würde denn so etwas dummes tun? Da kommt ja die Feuerwehr gar nicht mehr durch, wenn's brennt! Kinder (schweigen verstockt und hantieren mit einem Feuerzeug) Großmutter (aus dem Off) Zu Hilfe, zu Hilfe, es brennt! Kaschperl O je Kinder, habt ihr das gehört? Es brennt bei der Großmutter! Da müssen wir ihr schnell helfen - kommt, rufen wir zusammen die Feuerwehr: hun-dert-zwölf, hun-dert-zwölf... schnell, ruft alle mit! Schutzmann (schüttelt den Kopf und zückt das Handy, um Hilfe zu holen) Bekloppter Spinner! (aus der Ferne hört man Tatü-Tata) Kaschperl Ja Kinder, wie schön: da kommt ja schon die Feuerwehr! Schutzmann Bloß blöd, daß die Feuerwehr nicht zum Haus von der Großmutter hinter kann, so lange das grün-blau-rot-karierte Fahrzeug vor der Zufahrt parkt! Kaschperl Da haben Sie absolut Recht, Herr Wachtmeister! So eine bodenlose Dummheit - was machen wir denn jetzt da am besten? Was meint ihr, Kinder, sollen wir das grün-blau-rot-karierte Fahrzeug zusammen wegschieben? Wollt ihr dem Herrn Wachtmeister und mir dabei kräftig helfen? Kinder Nein, mach dein' Scheiß alleine! Kaschperl Kommen Sie, Herr Wachtmeister, schieben wir mal... kräftig... eins und zwei... und hau-ruck! Schutzmann (genervt) So wird das nix! Die Karre bewegt sich keinen Zentimeter - is' die Handbremse angezogen. Großmutter (aus dem Off, verzweifelt und hysterisch) Hilfe, Hilfe ... huuust... huuust... meine schönen Gardinen brennen schon... huuust... huuust... o je, o je, wo bleibt nur die Feuerwehr... huuust... huuuust... (das Tatü-Tata wird lauter) Feuerwehrhauptmann Wir wurden alarmiert, bei der Großmutter soll es brennen! Kaschperl Was für ein Glück, Kinder: die Feuerwehr ist da! Rasch, rasch, retten sie die Großmutter, da hinten brennt ihr Haus! Feuerwehrhauptmann Da habern wir jetzt aber ein Problem: wir haben heute Waschtag und der ganz lange Schlauch hängt noch zum Trocknen an der Leine. Und mit dem kurzen Schlauch kommen wir nicht bis zum Haus der Großmutter, weil da ein blau-grün-rot-kariertes Fahrzeug die Zufahrt blockiert. Großmutter (aus dem Off) Hilfääää... huuuust... jetzt brennt schon der Teppich... huuuust... und meine Kaffeemühle.... huuuust.... aaaaah!.... ich brenn' ja auch schon.... HILFEEE! Kaschperl Ui je, ui je, jetzt pressiert's langsam ein bißchen, Kinder. Herr Schutzmann, wollen wir es mit dem Feuerwehrhauptmann zusammen noch einmal probieren, das blau-grün-rot-karierte Fahrzeug da wegzuschieben? Ich sperr' mal eben die Autotür auf und löse die Handbremse, dann tun wir uns leichter. Kinder, helft ihr uns noch einmal? Hau ruck, hau ruck... HAU RUCK! Hurra! Wir haben es geschafft! Jetzt kann die Feuerwehr zum Haus von der Großmutter fahren und dort das böse Feuer löschen! So ein Glück! Feuerwehrhauptmann Schätze, das hat sich erledigt. Da brauchen wir gar nicht mehr hinter zu fahren. Das Haus ist ja nur noch eine rauchende Ruine! Kaschperl Und was ist mit der Großmutter? Feuerwehrhauptmann Die liegt da hinten in der Ecke. Tot. Verbrannt. Nur die Brille ist noch ganz! Kaschperl Tja, so geht's im Leben, Kinder: es ist oft schneller vorbei, als man denkt! Schade, dabei wollte ich doch mit der Großmutter Pflaumenkuchen essen... naja, egal. Immerhin ist die Brille noch ganz. Seppel Servus, Kaschperl, was stinktn da so nach Rauch? Kaschperl Ja Seppel, da bist du ja! Stell' dir vor, das Haus von der Großmutter ist verbrannt... und die Großmutter gleich mit... Feuerwehrhauptmann ... weil wir nur den kurzen Schlauch dabei hatten und nicht hinterfahren konnten... Schutzmann ... weil ein blau-grün-rot-kariertes Fahrzeug die Feuerwehrzufahrt blockiert hat... Seppel Scheiße, dann kann ich den Kuchen in den Wind schreiben. Kaschperl Das ist aber nicht so schlimm, Seppel! Steig' ein, wir fahren zur Gretel, ich glaube, die wollt' heute auch was backen. Auf Wiedersehen, Kinder! Auf Wiedersehen, Herr Wachtmeister! Auf Wiedersehen, Herr Feuerwehrhauptmann! (Kaschperl und Seppel steigen in das blau-grün-rot-karierte Fahrzeug und brausen davon) Schutzmann Liebe Kinder, habt ihr euch das Kennzeichen von dem Fahrzeug gemerkt? Das muß ich noch aufschreiben, das war nämlich falsch geparkt! Kinder (sind schon längst draußen und knallen sich Alkopops in die Birne) Feuerwehrhauptmann Lassen Sie's doch gut sein, Herr Wachtmeister. Verbrannt ist verbrannt, da können wir jetzt eh nichts mehr ändern. Wir fahren zurück zur Wache, um den kurzen Schlauch zu waschen... Schutzmann Sie haben Recht, Herr Feuerwehrhauptmann! Ich werde dann auch wieder meine Runde drehen. Auf Wiedersehen! Krokodil Hab' ich was verpasst?! Ende ... ein virtuelles Stück, wie gesagt. Ohne Kulissen, ohne Figuren - ohne Theater! Das erste (gar garstige) Stück... - pappcartoon - 30.10.2012 12:20 Habt Ihr das Datum gesehen? - 29.10.2007! Auf deutsch: meinen ganz speziellen Kaschperl gibt es jetzt seit fünf Jahren. Es hat zwar noch ein paar Wochen gedauert, bis er von seiner rein virtuellen Existenz in eine echte Papiertheaterpräsenz übergegangen ist... aber diese kleine Szene war der Urknall meiner Bühne. Das muß gefeiert werden! http://pappcartoon.blogspot.de/2012/10/funf-jahre-und-was-fur-ein-theater.html RE: Das erste (gar garstige) Stück... - pappcartoon - 03.11.2014 22:31 ... mittlerweile gibt es "uns" schon seit über sieben Jahren. Ich hätte das Jubliäum meiner Bühne auch entsprechend gefeiert, wenn nicht ausgerechnet an dem Tag eine alte Freundin von mir gestorben wäre. Also gut. Wir feiern dann das ZEHNJÄHRIGE in drei Jahren entsprechend. In der Nachbarschaft habe ich mir durch Mundpropaganda einen gewissen Ruf erarbeitet und bin darum ein- bis zweimal pro Monat in irgendeinem Wohnzimmer unterwegs, wo ich aufgedrehte Geburtstagsfeiergäste im Grundschulalter unterhalte (und den leicht gestressten Gastgebermüttern eine halbe Stunde Ruhe verschaffe). Die Vorstellungen im "Bürgercafé" um die Ecke habe ich ebenfalls wieder ins Programm genommen (alle vierzehn Tage ist Theatertag), aber es ist nicht so einfach, das Publikum anzulocken. Umso bestürzender, weil dieses "Café" in unmittelbarer Nachbarschaft von Grundschule, Kindergarten und Hort liegt und täglich Heerscharen (!) von Kindern und Müttern dort vorbeikommen. Nebenbei arbeite ich an ein paar Spezialprogrammen (Flohmarktprogramm für den Kindergarten, Märchenthater für den Buß- und Bettag, ökumenischer Kinderbibeltag, "wir-warten-aufs-Christkind"-Vorstellungen kurz vor Weihnachten) und bin darum gut ausgelastet, was das Theaterspielen an sich angeht. Das Finanzielle steht auf einem anderen Blatt. Sagen wir mal so: reich werde ich damit wohl nicht werden... ![]() Aber wir Theaterspieler - so ganz unter uns - wir wissen es: es geht nicht ums Geld. Es geht zum einen darum, daß man ausprobieren kann, was überhaupt MÖGLICH ist und zum anderen um den Applaus.
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