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Lettres de mon Theatre - Harry Oudekerk - 15.09.2013 17:32

Also ein Brief damit sich was regt.
Dumme und gefährliche Sache wiessen wir mittlerweile. Es gibt im Internet schnell Missverständnisse und da soll ein Ausländer sich bescheiden aufstellen.
Aber, aber ich möchte so mit der Zeit einiges über unsere (meine Frau und meine) Papiertheater Abenteuer schreiben nicht nur Technik oder Photoshop, sondern so etwas hinweg filosofieren.

Warnung: Dies ist mein Leben, meine Meinung. Ich bin nicht allwissend, Diktiere auch nichts. Denke nur mal so etwas.

Warum überhaupt dieses Getue?

Ich bin 1942 geboren in Amsterdam. Innerhalb eines Jahres bekam ich Polio und nicht viel später Asthma.
Meine Eltern verliessen die Stadt wegen meiner Gesundheit und zogen um nach einem Dorf im Osten des Landes.
Unsere Strasse war die letzte des Dorfes Hinter unser Garten war das Wald.
Dort war das Abenteuer. Nach der Schule zogen wir hin, bauten Hütten, suchten spuren, spielten Soldat.

In der Ferne hörten wir die Kriegstrommeln der Indianer (oder etwas anderes) wir suchten nach Goldschätze die Piraten unbedingt irgend verborgen hatten und sahen (wahrscheinlich) Ritter in Harnische auf der Suche nach Drachen und Räuber.
Meine Mutter machte es noch spannender als sie und warnte für böse Männer die uns etwas unspezifises an tun möchten was immer damit anfing das die uns etwas leckeres geben wollten.
Wir haben Wochen lang nach sie gesucht aber keinen gefunden.

Als ich viel später Peter Pan las erkannte ich das alles von meinem Abenteuer. Wüste aber von Meerjungfrauen im Wald nichts.
Aber erst war da Bambi. Als ich diesen film sah war es mir klar was ich wollte: Zeichentrick filme machen wie Disney.
Das ist immer den Roten Draht in meinem Leben geblieben.
Deswegen zeichnete ich wochenlang, deswegen baute ich (vergeblich) film Geräte, und deswegen bin ich, schliesslich, Student geworden an der Filmhochschule.

Frühe Einflüsse bestimmen den Lebenslauf.
Disney...
Das heisst das die modernen Zeichentrickfilme für mich uninteressant waren.
Mehr noch.
Silly Symphonies gut, Donald Duck und Mickey nicht.
Fantasia hat mich damals zumTränen gerührt. Auch weil ich dann einsah das es, auch mit Hilfe meiner Geliebte, unmöglich war meine Träume mittels Disney-artige Filme zu erzählen.
Den träume gab es noch immer.
Wen ich im Herbst am Fenster stand und die Himmel war Rot und die Tannen schwarzen Schatten. Als die Krähen(?) in den Bäumen schreiten, dann zog das Wald den da war was los.
Bestimmt.
Da sah ich manchmal am Abend die Hirsche langsam und ganz vorsichtig vorbei gehen.
Da sah ich auch Tecumseh der Shawano mit seinen Krieger und ich hörte in der Ferne wie die tragischen Brüder Balin und Balan im Kampf einander Töteten. Da war auch das Schloss von Usher.
The Fall of the House of Usher habe ich noch mal als Handpuppenspiel versucht somit Karl und Elegast.
Aber Handpuppen und ihr Theater waren für mich zu primitiv. Nicht genügend stilisiert.

Das bringt uns dann schliesslich wieder zum Papiertheater.
Ich bewundere Leute wie Frits Grimmelikshuizen die neue Formen versuchen, Ich bewundre Leute die sich bemühen ein neues Papiertheater zu kreieren.
Wirklich und aufrecht.
Aber für mich ist es anders, ich kann das nicht den ich will von meine Phantasien und Träume erzählen.
Dazu brauch ich ein Medium das mich zurück führt zu meinem Walde und nicht nur mich aber auch das Publikum.
Handpuppen lenken durch ihr gestikulieren und ihre Witze ab von dem Traum.
Marionetten sind eitle Figuren die echte Menschen nachahmen möchten und eben weil das (meistens) nicht gelingt ablenken vom Illusion.
Papiertheater kreiert diese Illusion besser weil sie eigentlich kaum etwas kann. Das Publikum muss selber das Leben einbringen.

Wie?
Nächstes mal.


RE: Lettres de mon Theatre - Helmut Wurz - 15.09.2013 23:53

Ein sehr schöner Beitrag. Danke!


RE: Lettres de mon Theatre - Robert Jährig - 16.09.2013 03:27

In manchem erkenne ich mich auch wieder. Der Wald war einst auch mein liebster Abenteuerspielplatz.
Ein sehr schöner Bericht und ich bin auf die Fortsetzung richtig gespannt.


RE: Lettres de mon Theatre - Brigitte L. - 16.09.2013 17:50

Lieber Harry,

danke für diesen schönen und interessanten Beitrag. Ich kann deine Wünsche bezüglich des Papiertheaters gut nachvollziehen. Das ist Papiertheater, dass Träume und Illusionen erweckt. Und zwar in der eigenen Fantasie, weil nicht jedes Detail vorgegeben ist.

Wobei ich widersprechen möchte in einem Punkt. Frits Grimmelikshuizen habe ich erstmalig in Harderwijk erlebt und war von seinen Farben, Formen total fasziniert. Auch er schafft es, ohne traditionelle Papiertheaterfiguren, ins Reich der Phantasie und Träume zu versetzen.

Doch schafft ausschließlich die Pantasie den Reiz des Papiertheaters?
Oder ist es nicht auch die Musik, die Bühnenbilder und die Sprache, die uns als Zuschauer in den Bann zieht?
Ich habe mir diese Frage ganz aktuell in Preetz gestellt. Dort waren unterschiedliche Bühnen zu sehen, die Papiertheater von ebenso unterschiedlichen Ansätzen her angingen.

Die Stücke, die mir am Besten gefallen haben, waren diejenigen, die bezaubernde Bühnenbilder hatten, die mich tatsächlich in eine andere Welt geführt haben und diejenigen Stücke, die wirklich gut gesprochen wurden und die Dialoge schlüssig und spannend waren.

Die Mischung machts. Wie seht ihr das?

Brigitte


RE: Lettres de mon Theatre - Harry Oudekerk - 16.09.2013 17:59

Ich könnte mich eine Stück vorstellen ohne Dialoge und Text: Ice book(2011), 20 Minuten (auch bei uns in 2011). Ohne Musik nicht, aber das liegt natürlich an mir.
Ein Stück entsteht in der Phantasie, alles was nachher kommt ist nur rekreieren.
Bei mir wird dieses Prozes auch oft angeregt von Musik.

Brigitte ich habe nicht gesagt das Frits irgend etwas nicht gut tut. Ich gab gesagt das es kein Stil ist in dem ich Arbeiten kan.


RE: Lettres de mon Theatre - Brigitte L. - 16.09.2013 18:31

(16.09.2013 17:59)Harry Oudekerk schrieb:  Brigitte ich habe nicht gesagt das Frits irgend etwas nicht gut tut.

Das habe ich auch nicht so aufgefasst. Wollte nur zum Ausdruck bringen, dass er durch seine Farben und Formen ebenfalls die Phantasie anregt.

Ein Stück ohne Text und Dialog kann ich mir im Papiertheater auch gut vorstellen. Doch wenn, wie meistens, Text gesprochen wird, sollte Stimme und Sprache auch richtig zum Stück passen.Das empfinde ich bei unseren eigenen Stücken als oftmals sehr schwierig.

Wie auch die Musik. Passt sie nicht, verdirbt sie alles.


Brigitte


RE: Lettres de mon Theatre - Ulrich Chmel - 17.09.2013 08:30

Ihr Lieben! Man kan Harry gar nicht genug danken, daß er es mit seinem großartigen Beitrag geschafft hat, eine derartige Diskussion in Leben gerufen zu haben. Danke!!
Wahrscheinlich ist es mit dem Papiertheater (wie es wir Erwachsene heutzutage betreiben) genauso wie mit der Musik. Man kann Musik mit dem Kopf erleben und man kann Musik mit dem Bauch erleben. Beide Rezeptionsformen sind gültig und werden weltweit praktiziert. Es wird Menschen geben wie die Brigitte, die durch die bezaubernden Bühnenbilder in den Bann gezogen werden und welche, die ein Stück mit dem klaren Verstand begreifen wollen. Ebenso gibt es aber Papiertheaterspieler die bei der Produktion ihrer Stücke Wert auf die eine oder andere Seite legen. Ich bin wahrscheinlich eher der Bauchmensch, der mit dem Gefühl und der Leidenschaft die Stimmung erzeugt und die Phantasie erweckt. Ich muß beim Sprechen auch oft fast Weinen, wenn ich den Tod vom Mädchen mit den Schwefelhölzchen be- oder besser gesagt umschreibe. Ich bin auch immer ganz verliebt, wenn Don Jose und Carmen in der Schenke sich im Takt tanzend über die Bühne bewegen un Jose singt: "Carmen ich liebe Dich".
Harry spricht mir auch aus der Seele, wenn er sagt, das Stück entsteht in der Fantasie. Auch bei mir entsteht das Stück im Kopf, beim Zeichnen und beim Texten.
Euer Ulrich


Lettres de mon Theatre - pappcartoon - 20.09.2013 13:12

(15.09.2013 17:32)Harry Oudekerk schrieb:  ... Aber für mich ist es anders, ich kann das nicht den ich will von meine Phantasien und Träume erzählen.
Dazu brauch ich ein Medium das mich zurück führt zu meinem Walde und nicht nur mich aber auch das Publikum.
Handpuppen lenken durch ihr gestikulieren und ihre Witze ab von dem Traum.
Marionetten sind eitle Figuren die echte Menschen nachahmen möchten und eben weil das (meistens) nicht gelingt ablenken vom Illusion.
Papiertheater kreiert diese Illusion besser weil sie eigentlich kaum etwas kann. Das Publikum muss selber das Leben einbringen.

...

Ganz ehrlich: von dieser Seite habe ich die Sache tatsächlich noch nie betrachtet!

Ich denke darüber nach.


RE: Lettres de mon Theatre - Harry Oudekerk - 20.09.2013 17:46

Dafür war es ja auch gemeint :-)