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Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Druckversion

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Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Brigitte L. - 12.12.2015 23:50

Zum Jahresende überwinde ich endlich meine "Papiertheaterträgheitsphase". Bedeutet, mir fiel kein Stück mehr ein, dass ich gern aufführen möchte und Bühnenbilder und Figurinen zum ursprünglich geplanten Theaterstück auch nicht. Krise!!

Jetzt bearbeite ich den Text von "Die Zirkuskinder" Übersetzt habe ich bereits, doch möchte ich den Text gern noch etwas verändern, damit er in unserem heutigen Verständnis besser ankommt. Z.B. werde ich Black Bill als "Negro" mit Sicherheit austauschen. Auch einige Passagen sind in unsererm heutigen Sprachverständnis zu langatmig und dröge.

Als Stück finde ich ebenfalls die Schneekönigin von Andersen sehr gut ausbaufähig und mit Nils Holgerson liebäugel ich schon sehr lange.
Die Würfel und Susanne werden entscheiden, welches als nächstes unser Papiertheater erfreuen wird.

Ich wünsche allen ein frohes Weihnachtsfest und ein vor allem gesundes neues Jahr.
Vielleicht schaffen es einige von allen angemeldeten Teilnehmern, sich mal wieder hier zu melden. Ich würde mich darüber sehr freuen.

Brigitte


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Harry Oudekerk - 12.12.2015 23:59

Nils Holgerson!!


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Brigitte L. - 13.12.2015 13:27

Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen
von Selma Lagerlöf.

Eine sehr schöne Geschichte.


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Harry Oudekerk - 13.12.2015 14:07

Volksgeschichte erzählt im Rahmen einer Wildgänsenflucht. Da kan man fast alles machen. Nur nicht diesen schreckhaften Japanische Zeichentrick Serie als Vorlage nehmen. Bitte.


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Robert Jährig - 13.12.2015 17:24

Warum willst Du die Charaktere im Stück Zirkuskinder ändern? Nur damit es der heutigen geheuchelten politically correctnes entspricht? Ich würde es aus diesem Grund gerade drin lassen und zur Diskussion anregen, über unsere heutige Gesellschaft nachzudenken. Kürzen einverstanden, da sind Passagen drin, die tragen nicht dazu bei, das Stück voranzubringen und sind eher hinderlich.


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Brigitte L. - 13.12.2015 22:55

(13.12.2015 14:07)Harry Oudekerk schrieb:  Nur nicht diesen schreckhaften Japanische Zeichentrick Serie als Vorlage nehmen. Bitte.

Harry, auf keinen Fall. Es gibt sehr schöne Bilder zu dieser Geschichte:

Lieber Robert,

das sehe ich etwas anders. Ich denke nicht, dass ich zur Diskussion über unsere Gesellschaft anrege , in dem ich das Bild eines Schwarzen und dann obendrein noch schurkenhaften Menschen auf die Papiertheaterbühne bringe. Damit wird lediglich ein damals typisches Klischee bedient. Political correctness mag gelegnentlich geheuchelt sein, hat für mich persönlich mit Respekt und Achtung vor Menschen zu tun. Selbst eine Papiertheaterfigur möchte ich nicht als "Nigger" bezeichnen. Es ändert nichts an dem Stück und Verständnis, wenn der schwarze sehr schurkenhafte Bill durch einen weißen ebenfalls schurkenhaften Bill ersetzt wird. Weshalb also nicht austauschen?

Liebe Grüße, Brigitte


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Harry Oudekerk - 14.12.2015 00:22

Dies ist ein wirklich komplizierte Sache. Wir haben da jedes Jahr Probleme mit dem Schwarzen Peter, der Gehilfe Sankt Nicolaus.
Disney's wunderschöne "Song of the South" wurde zurück gezogen under Druck der Schwarze Lobby.
Sol man den auch Griffith's "Birth of Nation" nicht mehr zeichen?
"Triumf des Willens" ist ein wunderschön gemachte Film. Leider Nazi Propaganda. Aber soll man ein Kunstwerk verneinen weil man es mit dem Einhalt nicht einig ist?
'Rausch mit "Vom Winde verweht"

Bleibt hier auch noch die Frage: Weshalb dürfen wir Weissen, Schürken sein, aber dürfen Schwarzen das nicht?
Die ganze "Pulp" Saga von Fu Manchu soll dan gestrichen!

Man kan auch zu politisch korrekt sein.
Am End führt das zu Geschichtliche Verfälschung.

Ich würde da sagen: Entweder man tut es, aber dan auch ganz, oder man tut es nicht.


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Robert Jährig - 14.12.2015 01:06

Liebe Brigitte, dann müsste man ca 70 % der Theaterstücke älteren Datums entweder aus dem Programm nehmen oder verbieten und selbst die Biebel steht damit auf dem Index. Sogar der Reformator Martin Lutter würde nach dem heutigen Verständnis der pc zum einen als Volksverhätzer vor Gericht gestellt werden und zum anderen wegen seiner Äußerungen gegenüber Juden zum Holokaust aufrufen.

Aber bleiben wir beim Theater, Othello der Moor von Vinedig oder auch die Zauberflöte dürfte ebenso von der Bühne verschwinden wie einige andere Stücke großer Dichter ja selbst dein Kalif Storch müsstest Du aus dem Programm nehmen weil Du damit den Islam verunglimpfst.

Der Neger (ja ich weiß was jetzt gleich kommen wird, aber das ist die richtige Bezeichnung der dunkelhäutiger afrikanischer Bevölkerung, die zur Negriden oder Negroiden (lateinisch niger „schwarz“) Rasse (hat nichts mit dem Rasseverständniss von 1933 bis 1945 in Deutschland zutun) gehört), soll mit seinem schwarz lediglich seinen bösen Charakter verdeutlichen. Da auf dem PT düstere Gedanken/Verschlagenheit und das wirklich Böse nicht durch die Figur selbst gezeigtwerden kann, ist man auf den Kunstgriff gekommen, dies durch einen Neger oder Teufel darstellen zulassen. Das hat sehr wenig mit dem Verständnis der damaligen Zeit zutun sondern damit, zu erkennen wer der böse ist und ihm damit für die Zuschauer erkennbar zumachen.

Übrigens den Titel des Stücks müsstest Du natürlich auch ändern sowie einige der Handlungsstränge, da hier die Berufsgruppe der Schausteller und Zirkusartisten ebenfalls mit Klischees versehen sind, wie die Aussagen, dass Kinder entführt werden um sie dann in der Manege auszubeuten, (Bianca, die Tochter Tochter des Grafen zB.) oder das alle Schausteller Kriminelle sind wie Abel Schwartz und Sorte Bill.

Allerdings würde ich ab dieser Stelle eher darüber nachdenken, ob ich nicht eine ganz neue Geschichte schreibe. Du weißt nie wen Du in der ursprünglichen Geschichte anders gesehen hast und wer Dir nachher vorwerfen könnte, dass Du nicht pc bist.

Aber auch wenn Du jetzt pc sein willst und an den Zirkuskindern Streichst oder umdichtest, wird man Dir vorwerfen können, dass Du an einem Werk eines anderen Zensur geübt hast und Du weißt , das ist der erste Schritt in Richtung Unfreiheit und Diktatur.

Nur zum Nachdenken hier noch dies Zitat von Johann Nepomuk Nestroy: "Der Zensor ist ein Mensch gewordener Bleistift oder ein bleistiftgewordener Mensch, ein fleischgewordener Strich über die Erzeugung des Geistes, ein Krokodil, das an den Ufern des Ideenstromes lauert und den darin schwimmenden Literaten die Köpf abbeißt." Oder aber auch dieses "Die Zensur ist die jüngere von zwei schändlichen Schwestern, die ältere heißt Inquisition."


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Brigitte L. - 14.12.2015 12:32

Lieber Robert, lieber Harry,

ja, das ist ein echtes Diskussionsthema. Das Thema Bildung und Erhaltung von klassichen und traditionellen Stücken im Papiertheater ist nochmal ein ähnlich gelagertes, ebenfalls hochinteressantes Thema, das mit Sicherheit sehr kontrovers diskutiert werden kann und auch immer wieder diskutiert wird. (siehe Papiertheaterzeitung, Herr Loose).

Knecht Ruprecht und Jim Knopf auszutauschen sowie die Zauberflöte zu verbieten, halte ich ebenfalls für Blödsinn und alle Stücke in denen Schwarze eine negative Rolle spielen zu verbieten steht für mich gar nicht zur Diskussion. Den "Holländer" haben wir auch nicht umgeschrieben, nur weil sich evtl. Niederländer davon beleidigt oder diskriminiert gefühlt hätten. Im Kalifen fächeln Sklaven ihrem Herrscher Luft zu und unser Kinderstück trägt den Titel "Bimbo", ein Name der in der heutigen Zeit auch negativ besetzt ist. Eine Grundsatzfrage wie ihr sie ins Feld führt, möchte ich daraus gar nicht ableiten.

Doch um speziell bei den "Zirkuskindern" zu bleiben. Mit der Figur Black Bill fühle ich mich persönlich besonders unwohl und ich will und werde sie so nicht auf die Bühne bringen. Für mein Verständnis steht und fällt das Stück keinesfalls mit der Hautfarbe und Herkunft der Figur, sondern es steht der Charakter im Vordergrund, den ich auch beibehalten werde.
Figuren zu verändern, auszutauschen oder rauszunehmen, ist doch im Theater nichts verwerfliches. Das wird häufig gemacht und hat für mein Verständnis nichts mit Zensur oder Inquisition zu tun, wie du Robert es in einem Zitat erwähnst.

Liebe Grüße, Brigitte


RE: Zirkuskinder, Schneeköniging und Nils Holgerson - Robert Jährig - 14.12.2015 15:37

Aber Sorte Bill oder wie Du ihn nennst, Black Bill, ist doch ein weißer. Der Neger ist auf dem Bogen und im Stück nur mit ein Neger bezeichnet. Auch kommt der Neger nur im 3. Akt vor als Plakatkleber. Hier ist der Text und wie er ihn ausspricht (und damit ein komisches Element in die Rolle kommt) der Grund, warum es ein Neger ist. Die Rolle könnte ein weißer spielen, nur würde man den dafür für geistig sehr zurückgeblieben halten, womit wir dann wieder bei Pc sind.

Brigitte, kann es sein, dass Du die Rolle des Sorte Bill aufgrund des Namens dem Neger zugeordnet hast? Ich hatte das Stück vor längerer Zeit gelesen und war mir jetzt nicht mehr ganz sicher wegen der Rollenverteilung. Daher habe ich die deutsche Übersetzung nocheinmal gelesen und da war der Neger zu keinem Zeitpunkt mit dem Klischee behaftet schlecht zusein, im Gegenteil, er wirkt in dem kurzen Moment seines Auftritts eher sympathisch und auf seine Art eher komisch (halt wie ein Tramp in der Art wie Charly Chaplin).

Womit wir dann wieder beim Tema Zensur und Rollenverständniss währen. Wir lesen einen Namen und ordnen ihn gleich einer Schublade zu. Damit beginnt die Zensur. Dann kommt in uns das Inquisitorische durch, wir vernichten es, weil es nicht sein darf und wir es als Irrlehre brandmarken wollen. Es sind halt die erwähnten beiden Schwestern.

Da halte ich es eher mit Napoleon Bonaparte der sagte; "Ich will keine Zensur, weil ich nicht für Dummheiten verantwortlich sein will, die man drucken darf." Und in unserem speziellen Fall ergänze ich das ganze mal um sprechen und zeigen.

Wir bezeichnen uns in Europa als frei und Demokratisch, aber sind wir das wirklich? Ist es nicht eher so, dass wir begonnen haben die Freiheit gegen eine Diktatur der Pc einzutauschen? Ist zwar ein anderes Thema, aber vielleicht hilft es mal darüber nachzudenken, bevor man den Rotstift ansetzt um an Stücken, ob nun für das Theater oder für seine kleine/nen Schwester/Bruder das Papiertheater, zu ändern.