Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Wer macht mit! Wer hat Lust!
Verfasser Nachricht
Dieter von Arx
Nicht registiert

 
Beitrag: #9
RE: Wer macht mit! Wer hat Lust!
An die beteiligten Leserinnen und Leser von
WER MACHT MIT! WER HAT LUST!

Hab angefangen – auf Anregung von Robert – meine Vorstellung zu schreiben. Dann trafen diese direkten Fragen von Brigitte zu mir persönlich und Fragen betreffend beruflicher Qualifikation/Papiertheater – und ob ich was/wie könne. Gebe man sich die Mühe – in „Google“ findet man unter dem Stichwort „Bühnenbildner“ den gesamten Arbeitsbereich und die Leistungsanforderung sehr gut beschrieben (kreativ und künstlerisch), damit wären einige Fragen eigentlich beantwortet. Werde jetzt trotzdem versuchen die gestellten Fragen im Detail zu beantworten/klarzustellen – ausführlich darzustellen. Persönlich ist noch anzumerken, wenn ich einen Begriff schreibe/ihn erwähne, weiss ich was die Bedeutung ist, was die Hintergründe sind – in welchem Zusammenhang ich ihn benutze.

Meine „kleine“ nachstehende Biografie ist kein Geheimnis – da Eckpunkte seit jeher öffentlich zugänglich sind – ergänzend hier nur mit Einzelheiten Bezug nehmend und klärend auf die anstehenden Fragen.

PAPIERTHEATER
Unser Familie besitzt eine umfangreiche Papier-Theater-Sammlung. Objekte zwischen 100 und 150 Jahre alt – sehr gut erhalten – auch durch sorgfältige
Erhaltungs/Instandsetzungsarbeiten von Papierrestauratoren/Innen. Bijou ist ein Papiertheater im Holzkoffer – aufklappbar – Grundbau mit 10 verschiedenen Bühnenbildern – viele Figuren – Texthefte = französischer Herkunft 1880 – ausgezeichnete Papierqualität und Farbendruck. Mit diesen Theatern konnten wir als Kinder bei unseren Grosseltern spielen – erfinden – uns in andere Welten träumen. Daraus/davon ergab sich in klar erkennbarer „roter Linie“ das Berufsziel ohne wackligen Abweichungen/Beeinflussungen – solche Welten möchte ich selbst gestalten/verwirklichen. Bin jetzt 52 Jahre in diesem Beruf tätig – der Tanz auf dem hohen Seil ohne Netz wurde Realität bis heute – die kreative und persönliche Unabhängigkeit/Freiheit war immer Devise und Werte-Inhalt – beharrlich eingefordert und daran unermüdlich gearbeitet (…es ging auch ohne den Gebrauch der Ellbogen). Auf Reisen und an meinen „Lebens/Arbeitsorten“ war es immer wieder so eine kleine „Freizeittätigkeit“ Teile von Papiertheatern zu finden und zu kaufen – man findet solches bis heute in ganz Europa zu gutem Geld – mit Geduld und Spürsinn. Bei Arbeitsreisen als Delegierter – vor allem in Osteuropa (noch unter der roten Flagge) hatte ich viele interessante Begegnungen auch mit Papier-Theater-Schaffenden – die Vielfalt, den Erfindergeist (mit den knappen/schlechten Material-Ressourcen gegenüber dem Westen) und die dahinter stehende Gedankenwelt aufnehmend. Dazu muss ich erwähnen, durch meinen damaligen Status konnte ich mich in den Ostblockstaaten ohne Einschränkungen frei und ungehindert bewegen – auch ein solides Netzwerk war grosse Hilfe. Ebenso die Hilfe/Offenheit der Menschen in diesen Diasporen – mutig auf ihren oft „trostlosen/abgeschnittenen Inseln“.

Meine Beiträge zur aktiven Kultur „Papier-Theater“ sind in kleinem Rahmen zu sehen:

Immer wieder in Schulen zu den „Themenwochen“ engagiert – mich von der täglichen Arbeit freigestellt – Thema immer das gleiche: „Papier-Theater. Material Versandkartons in den verschiedensten Grössen, Thema freigestellt, absolut keine Vorgabe/Zwänge – nur Hilfestellung bei handwerklichen Problemen/Umsetzungen – jedes Mal ein Fest für Augen und Seele – welche Unbeschwertheit, Ausgelassenheit, Ernsthaftigkeit, Fantasie und Kreativität Kinder in unbeschwerter Umgebung zeigen/entwickeln und stolz ihr Theater am Abschlusstag vorführen. So war es auch an einer Gesamtschule in Niedersachsen von 2006-10 – Theater und Papiertheater – die Schule hat ausgezeichnet „mitgespielt/unterstützt“ trotz dem „berühmten Kostendruck“ wurde eine Theaterpädagogin engagiert. Eine fruchtbare, anregende und erfreuliche Zeit und Zusammenarbeit.

In der Schweiz – anlässlich der Produktion (anfang 70er Jahre) „Rote Zora“ als Ausstatter – konnte ich meinen Vorschlag anbringen - bei Vorweisung eines „Papiertheaters“ im Schuhkarton – wurde der Eintritt geschenkt. Eine wundervolle Theatermauer entstand im Foyer – der Erfolg wiederholte sich ebenfalls auf den Gastspielen – eine hohe fantasievolle zusätzliche Kulisse.

In meinen Vorlesungen „Kunst + Theater“ - vom Nordkap bis Gibraltar - füge ich immer wieder das Thema/weise daraufhin: Papiertheater – in seiner Vielfalt/Ausdrucksweise in den jeweiligen Ländern.

Der Auftrag durch die Schweizerische Eidgenossenschaft für die Ausstellung „150 Jahre Bundestaat“ war die erstmalige Rekonstruktion der Uraufführung Strawinsky/Ramuz/Auberjonois „Histoire du Soldat“ in Lausanne 1918. Zwei Jahre dauerte meine Arbeit mit Mitwirkung/Unterstützung von WissenschaftlernInnen. Es entstand ein bespielbares Papiertheater/Theatermodell M 1:20. Zur Eröffnung der Ausstellung gab es eine einmalige Aufführung – Originalorchester – Vorleser – und meine MitarbeiterInnen am „Spieltisch“ – auf Grossleinwand mit Hilfe des Eidophor-Systems wurde die Präsentation ergänzt, ein nachhaltiger Abend. Das Schmuckstück dieses Papiertheaters waren die verschiedenen Tänze – mittels einem unsichtbaren Schiebesystem/Kettenantrieb konnten die Tänze in Bewegungen/Rhythmen ringsum erfolgen – kurzer Gang in die Kulisse – wurde eine andere Tanzstellung/oder Figur aufgesteckt. Choreographie hat Heinz Spörli entwickelt und mit uns eingeübt. Durch die Jahre haben Heinz und ich immer wieder überlegt – wie man eine tänzerische Geschichte/Handlung im Papiertheater ermöglichen könnte – ohne dass sie holprig wirkt – im Fluss der Bewegung. Es gibt Möglichkeiten, doch nur mit grossem Personal-und Technikaufwand.

Die andere Anwendung/Umsetzung war von mir durch die Jahre – Papiertheater 1:1 auf der Theaterbühne zu erarbeiten. Sich auch einzuschränken – überflüggis/dekoratives weglassend. In Kinder-und Jugendstücken war dies ideal – mit dem jeweiligen Produktions-Team konnte diese Welt/Umsetzung möglich werden – bis auf das durch die DarstellerInnen benutzte Mobiliar. Flache Kulissenteile maroufliert – feine Lasurmalerei – klare optische Wirkung/Signale – sichtbare Verwandlung der Szenen wie im Barocktheater – Seitengassen – zweites Bühnenportal oder Einkleidung des Portals. Einige Male Kostüme aus TYVEK-Papier gab in der Bewegung etwas gestelztes/statisches. Mein italienischer Bühnenbild Freund hat vor zwei Jahren eine Oper so ausgestattet - Regie/Darsteller-Team in gekonnter Umsetzung – kein „l’art pour l’art“. Verwirklicht konnte dies nur durch grossen Arbeits/Besprechungs-Vorlauf, exakte Termine/Ablauf für die Gesamt-Werkstätten und Extraproben für die Technik.
Grosse Beachtung und Anerkennung dieser ausserordentlichen Leistung in der Opernwelt

Mein GOYA-Modell/Papiertheater wäre bespielbar (Inhalt/integrierter Bestandteil meiner Ausstellung GOYA-SEDOV-THEATER) – das Schauspiel von John Berger (Schriftsteller/Kunstkritiker/Maler) ist 2 ½ Stunden – trotz grossem Einsatz/Überlegungen von John und mir ist Verkürzung verfälschend – fehlt der innere Zusammenhang. Lesung während und für die Ausstellung haben wir getrickst – eine Wandellesung – betrachten der Bilder/Modelle und dazu entsprechende Textpassagen gelesen. Bei der kommenden Ausstellung WRACK nächssten Spätsommer wird ebenfalls mit 2 Papiertheatern bestückt sein – in Kisten eingebaut.

Papiertheater SEEJUNGFRAU – dreidimensionaler Frauenkörper – ist ein reines Ausstellungsmodell – jetzt im Theatermuseum.

Im Moment wieder am Weiterbau des selbst entwickelten/technisch durchgezeichneten variablen „Barockstheaters“. Bühnenhaus vom zweiten Keller bis zum Dachgiebel – mir der alten Technik – kann sichtbar gespielt werden oder mit jeweils zum Stück passenden Portalen abgedeckt werden – ebenso einsetzbar Bühnenboden flach oder gefräster Rillenboden. Weiter fortgeschritten ist ULYSSE allseitig bespielbar „Gelände“ – offen – ein zerfallenes Gemäuer/Theaterhaus mit Guckkastenportal nutzbar für Papiertheater/Kaspertheater/Projektionen/menschliche Hände und Gesicht Im Laufe der Zeit – oft in Zügen notiert in meine Arbeitscarnets – gedanklich/skizziert 8 Plots (Texte/Dokumente) für Variationen von Opern/Schauspielen. Das heisst nicht die getreue Umsetzung von vorhandenen Texten – Brüche – ergänzt mit Zeitgeschehen/gesellschaftlichen Aspekten.

Das wäre mal „kurz“ der „erste Streich“ der Beantwortung. Fortsetzung folgt……..
Wünsch einen schönen Sonntagnachmittag.......
Dieter
01.09.2013 15:11
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Nachrichten in diesem Thema
Wer macht mit! Wer hat Lust! - Dieter von Arx - 28.08.2013, 14:39
RE: Wer macht mit! Wer hat Lust! - Dieter von Arx - 29.08.2013, 15:00
Wer macht mit! Wer hat Lust! - pappcartoon - 29.08.2013, 18:12
RE: Wer macht mit! Wer hat Lust! - Dieter von Arx - 01.09.2013 15:11
RE: Wer macht mit! Wer hat Lust! - Dieter von Arx - 02.09.2013, 11:46

Gehe zu:


Kontakt | Papiertheater-Forum | Nach oben | Zum Inhalt | Archiv-Modus | RSS-Synchronisation | Impressum

Deutsche Übersetzung: MyBBoard.de, Powered by MyBB, © 2002-2026 MyBB Group | ALUMINUM | By Kyle M at cmybb.com