Wir hatten im letzten Sommer ein Theatererlebnis der besonderen Art. Eingeladen wurden wir mit unserem Stück "
Ich will einen Vogel haben", zu einem Sommerfest mit Flüchtlingen aus unserer Region.
Wir bauten unser Theater in einer ruhigen Ecke auf. Ringsherum standen Tische und eine lange Tafel, auf der später das Buffet aufgebaut wurde.
Als das Fest so richtig in Schwung kam, wurde der Raum naturgemäß immer voller. Denn dort, wo es Essen gibt, sind auch die Leute. Inzwischen hatte man Kinderwagen hinter unseren Vorhang geschoben und Mäntel darüber gehängt. Als es soweit war, dass die Aufführung erfolgen sollte, mussten wir uns im wahrsten Sinne des Wortes erst einmal Platz verschaffen. Die Menschen räumten die Plätze vor der Bühne und wir schoben Kinderwagen usw. aus der Bühne. Dann waren wir genötigt, einigen Erwachsenen den Stuhl fortzunehmen, damit die Kinder sitzen konnten.
Soweit so gut, doch der Lärmpegel durch Gespräche, wollte nicht sinken. Vergeblich forderten einige Mitarbeiter Ruhe ein. Als alles nicht half, fingen wir einfach an. Drehten zunächst mal die Musik auf Lautstärke. Auch das nutzte nichts, die Menschen sprachen einfach lauter

Wir versuchten unser Stück so gut es ging zu spielen. Dumm war nur, dass wir uns gegenseitig nicht mehr richtig verstehen konnten.
Plötzlich tauchte ein kleiner schwarzgelockter Kopf neben mir auf und schaute mit seinen dunklen Augen interessiert auf die Bühne und zupfte ein wenig an den Kulissen. Kurz entschlossen stellte ich das Kind vor mich an die Bühne und ließ ihn ein wenig die Figurinen bewegen, was er außerordentlich ruhig machte. Zwei etwas größere Kinder musste ich zwischen Sprechen, spielen und Umbau wieder abwimmeln.
Nach 15 Minuten waren wir fertig. Ich nahm an, dass inzwischen alle Kinder, ca. 16 an der Zahl, das Weite gesucht hätten. Doch nein, wir schauten in viele glückliche Kinderaugen, die wahrscheinlich kein Wort verstanden hatten, sich aber von dem kleinen Theater und seinen liebenswerten Figuren verzaubern ließen. Wir nahmen die Geschichte mit Humor.
Andere Länder, andere Sitten. Für die ausländischen Mitbürger ist es ganz normal, dass auch während solcher Aufführungen laute und heftige Unterhaltungen stattfinden. Das die Kinder sich davon nicht haben ablenken lassen, sondern 15 Minuten intensiv zugeschaut haben, hat uns echt beeindruckt.
Kinder sind ein richtig dankbares Publikum.
Viel Glück für deinen Griffelo
Brigitte