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IMAGINATION - ein vielleicht absurdes Stück
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Ulrich Chmel Offline
ulrichderkulissenschieber
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Registriert seit: Oct 2010
Bewertung 2
Beitrag: #28
RE: IMAGINATION - ein vielleicht absurdes Stück
IMAGINATION Ein Stück für das Papiertheater von Ulrich Chmel, mit der Musik von Karlheinz Essl -Ein Vorbericht
Ich hatte vor einigen Jahren das Glück Vorstellungen der Objektkünstlern des KÖLNER KÄSTCHENTREFFENS erleben zu dürfen. Dabei habe ich den Anstoß dafür erhalten, selbst über die Produktion eines solchen Stückes nachzudenken. Losgelöst von allen Vorbildern wollte ich eine vollkommen eigenständige Geschichte entwickeln. Idealer Weise sollte es eine solche ohne gesprochenes Wort sein, um sie allen Menschen ohne Sprachgrenze vorführen zu können.
Im März 2014 wurde ich von einer Puppenspielerin bestärkt, dieser Idee nachzugehen. Eines schönen Morgens hatte ich beim Frühstück den zündenden Funken: Bilder berühmter Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts zu collagieren und zu decollagieren. Es sollte für mich ein erster Schritt auf diesem neuen Terrain sein.
Gespräche mit dem befreundeten zeitgenössischen Maler Helmut Magreiter und der Kuratorin des Kunststauhauses von Daniel Spörri, Frau Barbara Räderscheidt über das von mir erarbeitete Konzept, wiesen dann für mich in die richtige Richtung, um mit den wirklichen Arbeiten zu beginnen.
Ziemlich zeitgleich entdeckte ich, bei der letzten Renovierung des Bühnenlichtes, durch Zufall die Möglichkeit UV-Licht sehr einfach zu montieren. Diese Entdeckung war ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung meines neuen Stückes. Plötzlich konnte ich auch daran denken, Mittel des Schwarzen Theaters einzusetzen. Es folgte nun sehr aufregende 12 Monate, in welchen ich fast täglich damit beschäftigt war, an diesem Projekt zu arbeiten.
imagination entsteht
Am Beispiel des Werkes von René Magritte DER MAN MIT DEM HUT möchte ich meine Ideen aufzeigen, was ich mit den Bildern machen wollte und wie ich die technische Umsetzung anging. Die Idee René Magrittes war, den Betrachter darauf aufmerksam zu machen, daß alles anders gesehen werden kann, als wir es gewohnt sind zu sehen. So zeigt das Bild DER MANN MIT DEM HUT eine männliche Figur im grauen Anzug, weißem Hemd und roter Krawatte. Dieser Mann trägt auf dem Kopf einen Bowler (in Wien sagt man dazu Melone). Die Figur steht vor einem altrosa Hintergrund. Aber, ganz im gewohnten Stil ist diese Abbildung nicht, denn Rumpf, Gesicht und Hut sind separiert und nicht als ein Wesen dargestellt.
Dieses Bild war für meinen Anfang wie geschaffen, denn ich konnte es herrlich einfach manipulieren. Noch dazu ist es ein sehr grafisches Bild, welches man sehr leicht „zerlegen“ kann. Die Grundidee war Kopf, Hut und Rumpf auf die Bühne „schweben“ zu lassen und erst dort zum gewohnten Bild zusammenzusetzen.
Die größte Herausforderung dabei war für mich die Schiebemechanik, um Hut, Kopf und Rumpf auf die Bühne zu bringen, bzw. wieder entschweben zu lassen. Diese erfordert Gelenke in der Dimension von 2 – 3 mm.
Zunächst zeichnete ich die Figur vom Originalbild ab, um sie dann für meine Zwecke zu adaptieren. Danach colorierte ich die Figur und den Hintergrund etwa in der Art, wie es Magritte gemacht hatte.
Auf diese Weise erarbeite ich 7 Episoden für dieses Stück, unter Bearbeitung von Werken von Daniel Spörri, Helmut Magreiter, René Magritte, Niki de St.Phalle, Piet Mondrian und A. Katz. Dazu kam noch eine Eröffnungs- und ein Schlußbild, sowie eine „verbindende Figur nach dem Vorbild von Oskars Schlemmers Triadischen Ballett.
Die Musik als wesentlicher Motor dieses Stückes
Gerne nenne ich imagination ein absurdes, oder auch surreales Stück. Es werden Abläufe dargestellt, die bloß in der Phantasie möglich sind. Diese Abläufe gestatten es dem Zuschauer aber auch seiner Phantasie vollkommen freien Lauf zu lassen.
Schon zu Beginn der Produktion fand ich den Kontakt zum zeitgenössischen Komponisten Karlheinz Essl, der an der Wiener Musikuniversität experimentelle und elektronische Musikkomposition lehrt. Essl war von meinem Konzept begeistert und nahm einen Kompositionsauftrag für dieses Stück von mir an. Essl bat sich Videos von den fertigen Episoden aus, um in Echtzeit die Musikstücke dafür zu komponieren.
Essls „Tonwerk“ zu diesen surrealen bewegten Bildern wirkt wie ein Zauber, der die Aufmerksamkeit des Zuschauers voll in den Bann zieht. Jeder von uns beiden hat für sich nach seiner Phantasie gearbeitet und doch hat die Zusammenfügung beider Komponenten ein ganzes ergeben, wie es besser hätte nicht werden können. Diese elektronische Musik ist zum Motor dieser Handlungen geworden. Es ist die Klammer zwischen der biedermeierlichen „Technik aus Karton, Sperrholz, Papier und Farbe“ und der auf dem Computer komponierten und generierten Musik. Vielleicht steckt darin der Reiz. Es ist ein Experiment.
Dieser Abstecher in die Moderne ist in keiner Weise eine Abkehr von der von mir gepflegten Form des Papiertheaters. Beide Formen sollen gleichberechtigt nebeneinander bestehen und ihr Zielpublikum ansprechen. Nicht umsonst habe ich in den 13 Jahren meines „Papiertheaterlebens“ schon an die 490 Vorstellungen im In- und Ausland gespielt und sehr vielen Zusehern, Kinder und Erwachsene, große Freude bereitet. Eine ganze Reihe von Stammgästen besuchen immer wieder meine Vorstellugen und warten schon auf die neuen Stücke. imagination wird den Kreis meines Publikums erweitern.


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Ulrich Chmel
Ulrich Chmel's Papiertheater - Wien
ulrich.chmel@papiertheater.at
29.03.2015 16:54
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RE: IMAGINATION - ein vielleicht absurdes Stück - Ulrich Chmel - 29.03.2015 16:54

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