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Protokoll einer Aufführung
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pappcartoon
Nicht registiert

 
Beitrag: #1
Rainbow Protokoll einer Aufführung
Die Premiere ist geschafft! Big Grin

Wobei: so breit ist mein Grinsen gar nicht, denn die Sache hatte ein paar gravierende Haken, die meinen Erfolg ein bißchen schmälern.

Das ging schon damit los, daß die zuständigen Damen im Bürgertreff erstmal doof geschaut haben, als ich mit Koffer und Tasche dort anmarschiert bin.

"Wie - Puppentheater? Gerda, hast du das gewußt? Daß da heute ein Theater kommt? Hat die Christiane dir was gesagt?"

Grmpf. Dodgy

Die Sache war generell schlecht beworben, lediglich auf dem "Wochenplan" des Bürgertreffs stand für 15:00 Puppentheater drin. Abgesehen davon, daß der Begriff falsch ist und ich der dortigen Chefin schon mehrmals gesagt habe, daß es sich um ein FIGURENtheater handelt, war es ja nicht einfach nur irgendein Kasperlstück.

Wir haben es mit einem liebevoll bis ins Detail ausgearbeiten "historischen Bilderbogen" aus hundert Jahren Geschichte der Gemeinde zu tun, Herrschaften! Alle Vereine kommen drin vor, die Kirchen, die Gründungsgeschichte, die Märchenfiguren, nach denen die Straßen benannt sind - und bei der Szene mit der Feuerwehr geht sogar die Bühne in Flammen auf (mit Feuer aus Papier)...

... ach ja, und der Kaschperl auch. Aber nur kurz und dann als Kulissenschieber.

Immerhin bin ich vom Lokalfernsehen gefilmt worden, denn über die ganze Festivität soll eine Dokumentation gemacht werden.

Das Publikum war begeistert - jedenfalls der Teil, der keine Pampers mehr anhatte. Die werden also schön Mundpropaganda für mich machen, denn am Samstag wird der ganze Quatsch nochmal aufgeführt (zwei- bis dreimal hintereinander durch). Da kommen ein paar Leute mehr, denke ich - und dann auch solche, die auf dem Stuhl sitzenbleiben und mir nicht von unten in die Bühne reingrapschen.

Im Raum selbst war ziemlich viel Unruhe, weil ständig jemand einen Stempel für den Pass geholt hat, mit dem heute die Kinder durch die Gemeinde/Vereine ziehen und weil eben diverse Mütter mit Babies anwesend waren.

Es gab zwei kleine, technische Pannen, die ich am Samstag entsprechend vermeiden kann, weil ich jetzt weiß, wo es hakt. Aber dafür, daß ich kein einziges Mal vorher geprobt habe (ich habe mir lediglich den Text einmal selbst laut vorgelesen), war's erstklassig.

Mein Spendenschwein hat leider niemand gesehen und als ich meinen Kram nach der Vorstellung wieder eingepackt habe, wurde ich zwar gelobt ("Das ham Sie alles selber gemacht? Toll."), aber dann haben sich die Damen wieder darum gekümmert, wer morgen die Schnittchen für das geplante "Philosophenfrühstück" vorbereiten soll.

Und jetzt bin ich wieder da und hab' Rückenweh, weil ich mich beim Spielen ein bißchen verkrampft habe. Eigentlich sollte ich mich jetzt freuen, daß die Aufführung so gut geklappt hat - aber es sind eben so ein paar "Ärgerpunkte", die mir die Freude leicht vermiesen.

Allen voran mein Gatte, der nach meiner Heimkunft zuerst gefragt hat, wie viel Geld ich bekommen hätte - und erst dann, wie's gewesen ist.

Kein Verständnis für meine zarte Künstlerseele, der Mann!

Egal: ich trink' jetzt ein Glas Sekt. Hab' ich mir verdient. Wink
17.05.2012 17:20
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pappcartoon
Nicht registiert

 
Beitrag: #2
Protokoll einer Aufführung
Danke. Es KANN nur besser werden! Shy

Ich weiß, daß ich gut bin (hey! - ich hab' das Ding hingekriegt, ohne es vorher ein einziges Mal durchzuspielen... und das kommt daher, daß ich wirklich gut bin).

Für Samstag stelle ich eine entsprechend größere Spendenbox auf und lasse eine unübersehbare Kaschperlfigurensexbombe im Glitzerfummel darauf hinweisen. Die zeichne ich gerade - und sie wird sehr cool!

Und von der Aufführung heute nehme ich ja trotzdem etwas "mit": zum einen weiß ich jetzt, wie ich in dem Raum spielen kann und ich denke, daß ich in Zukunft dort regelmäßige Gastspiele (vor zahlendem Publikum!) geben werde.

Wenn ich dann die Werbung dafür gezielt (!) selber mache, kommen die Leute auch.

Und die Erwachsenen, die mich heute gesehen haben, waren begeistert. Die Kinder flitzen nach der Vorstellung immer gleich weg; von denen bekomme ich nie viel Feedback oder Applaus. Es sind die Großen, die klatschen.

Es sind aber auch die Großen, die zukünftig mit dem Begriff "pappcartoon" etwas anfangen können.

Dieses Mal waren alle Programme und Flyer quasi schon gedruckt, als ich dazugestoßen bin. Ich war das "Geschenk des Himmels", denn genau so etwas hat den Organisatoren noch gefehlt, weil der Theaterverein es nicht geschafft hat, ein "echtes" Stück auf die Beine zu stellen.

Also steht auf den Plakaten nur irgendwas von "künstlerischen Darbietungen".

Morgen früh bringe ich noch einen meiner eigenen Aushänge zum Kindergarten und eventuell hänge ich noch einen an den Spielplatz an der Ecke, der bei dem schönen Wetter ziemlich stark frequentiert wird.

Und am Samstag räume ich ab! Ha.
17.05.2012 20:45
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Robert Jährig Offline
Administrator
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Beiträge: 1.395
Registriert seit: Nov 2010
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Beitrag: #3
RE: Protokoll einer Aufführung
Glückwunsch zur Premiere. Aber auch noch ein paar Wort zur Warnung. Unterschätze nie Dein Publikum. Man merkt, ob jemand geprobt hat oder nicht. Bereite Dich immer so vor, als wenn es die Wichtigste Aufführung Deines Lebens ist. Das Publikum hat verdient, dass Du es achtest, dann achtet es auch Dich.

Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.
Max Reinhardt

www.papiertheater-heringsdorf.de
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.05.2012 00:40 von Robert Jährig.)
17.05.2012 22:41
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pappcartoon
Nicht registiert

 
Beitrag: #4
Protokoll einer Aufführung
Danke für die Warnung.

Ich habe mich ja vorbereitet, so ist es nicht. Mittlerweile hab' ich so viel Praxis, daß ich bereits beim Schreiben der Szenen den Text mitsprechen kann - und ich lege sie so an, daß maximal drei Figuren gleichzeitig auf der Bühne unterwegs sind.

Im aktuellen Stück führen die meisten Figuren Dialoge, so daß ich relativ einfach mit ihnen hantieren kann.

Das Wichtige bei meinen Aufführungen ist die Sprache.
18.05.2012 07:17
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Ulrich Chmel Offline
ulrichderkulissenschieber
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Beiträge: 368
Registriert seit: Oct 2010
Bewertung 2
Beitrag: #5
RE: Protokoll einer Aufführung
Liebe Betsy!
Nochmals die herzlichste Gratulation zu Deiner Leistung. Doch merk's: Was nichts kostet ist nichts wert!! Ich habe von Anfang an ein SPENDENPLAKAT hingestellt (A4, wenn's geht A3) und habe in meiner Vorrede erzählend bemerkt, daß in der letzten Vorstellung die Besucher im Schnitt € 8,22 gspendet haben. Das hat meistens gewirkt und die Menschen habe gegeben. Also spiel weiter so gut Betsy.
ulrichderkulissenschieber


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Ulrich Chmel
Ulrich Chmel's Papiertheater - Wien
ulrich.chmel@papiertheater.at
18.05.2012 08:18
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pappcartoon
Nicht registiert

 
Beitrag: #6
Protokoll einer Aufführung
Ich arbeite seit gestern Abend an einem Spendenplakat, das für Furore sorgen wird. Sobald der Klebstoff trocken ist, mach' ich ein Foto davon.

Da werdet Ihr Augen machen, Herrschaften! Big Grin
18.05.2012 08:47
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Harry Oudekerk Offline
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Beiträge: 1.223
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Beitrag: #7
RE: Protokoll einer Aufführung
Wir dagegen arbeiten prinzipiell ohne Geld.
Man kann uns auch nicht mieten (sagt man mieten?) Man kan uns fragen und wenn wir es mögen spielen wir.
Das heisst keine Schulen, kein Altersheim, kein Geburtstag Feier.
Museen meisten schon, kulturelle Veranstaltungen türlich. Wenn es dabei eine schöne Reise gibt (die bezahlt wird) gerne aber sonst... "kommen Sie doch bloss bei uns ins Theater."
Wir arbeiten nicht für Geld, nur für die Freude, und wenn es und mal irgend nicht gefällt kommen wir nicht wieder.

Bei uns ist alles gratis aber am ende lohnt sich das auch. Die Leute sind zufrieden, bringen Blumen und Wein (der wir dann meistens am selben Abend trinken) und schliesslich ist es für und auch ein Hobby, soll es bleiben und darf etwas kosten.
18.05.2012 09:49
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Harry Oudekerk Offline
Spieler
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Beiträge: 1.223
Registriert seit: Oct 2010
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Beitrag: #8
RE: Protokoll einer Aufführung
Eigentlich hätten wir nie spielen sollen.
Der Absicht war zeichtrick-artige Filme damit zu drehen, wir (meine Frau und ich) glaubten wir seien die einzige Verrückten und sonst wäre keiner interessiert am Papiertheater.
Aber da gab es ein Jahr wo die Nachbarn ein Handpuppenspiel gesehen hatten vom Christmas Carol und da sagte ich (zu schnell, wie immer) "das können wir auch, und besser, mit Papiertheater".
Da sagte fast die ganze Nachbarschaft (es war am einem Geburtstag): "Nah schön also nächstes Jahr".
Merkwürdiger weise war es eine grosser Erfolg .
Merkwürdig besonders im Hinterblick weil, so gut war es damals nicht.

Seitdem spielen wir im "Saison" (September bis Ende April) 2 Mal in der Monat am Samstagabend.

Mitte August schicken wir ein Bericht mittels Post oder email an diejenige die sich gemeldet haben und weiter steht es dann auch noch an unserem Website.

Nach A Christmas Carol kam, wie irgendschon erwähnt, Faust, dann Schatzinsel, Sommernachtstraum, Zauberflöte, Nussknacker, Abenteuers Achmeds, Freischütz, Bambi, Bilder einer Ausstellung und letztes Jahr also Hoffmans Erzählungen.
Alle diese Stücke hat es am unserem Website auch in einer Download Version gegeben, wie auch noch Der Gestiefelte Kater, Ali Baba, Blaubart und Aladin. Diese Stücke haben wir selbst aber nie gespielt.
Wir haben nur einmal in einer Schule gespielt (Bambi). 4 mal in Museen, wenn man Schloss Philippsruhe auch zur den Museen rechnet ( Märkisches in Berlin hätte das 5e sein sollen dieses Frühjahr aber dann wurden wir krank).
Wir spielten in Preetz, natürlich.
Ach, und Palais Lobkowitz in Wien ist natürlich auch ein Museum also 5 mal.
Wir waren 2 mal in den USA, bedenke ich mir das es da auch noch eine "Museale" Vorstellung gab.
Das macht 6.
Wir waren 2 mal im nationalen Fernsehen.

Weshalb umsonst?

Bevor ich Dozent wurde an der Film Hochschule in Amsterdam, war ich 25 Jahre Filmschnittmeister beim Holländisches Fernsehen.
Meine Interesse aber war Zeichentrick und in der Zeit machten wir 2 Serien mit 12 Filme von 5 minuten.
Und, aber auch schon erwähnt, einige Papiertheater Filme.
Dan rief es sich herum das wir gut (und schnell und billig waren) und wurden wir überflutet mit Anfragen für Vorspann Filme, Titel, Special Effects usw.
Es gab aber nie Zeit das richtig zu tun. (Heut' Bestellt, Morgen ins Haus)
Aus dies alles wachste sogar eine richtige Firma. Hinzu arbeitete ich noch immer als Schnittmeister!
Die Tage waren lang und die Nächte kurz.

Zufrieden aber waren wir eigentlich nie den wir möchten eigentlich Geschichte erzählen.
Weshalb den weiter gegangen?
Weil man mittlerweil Personal hat und Verantwortlichkeiten und weil das Geld gut war.

Dan kam aber einer und der wollte uns das ganze abkaufen.
Gott sei dank.
Wir waren aus der Falle.

Dan haben wir uns gesagt, wen wir wieder etwas aus Liebe machen darf Geld dabei keine Rolle mehr spielen
Es sei das man uns, bitte, die Reisespende gibt weil die Zeiten werden wirklich schlecht :-)

Also, so ist gekommen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.05.2012 21:05 von Harry Oudekerk.)
18.05.2012 16:03
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Brigitte L. Offline
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Registriert seit: May 2011
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Beitrag: #9
RE: Protokoll einer Aufführung
Herzlichen Glückwunsch Betsi,

ich bewundere deinen Mut und deine unerschrockene Zuversicht.Vermutlich findet sich beides bei deinen Aufführungen wieder.

@Ulrich, dein Plakat ist sehr schön.

@Harry, danke für deine Ausführungen über das NICHT-SPENDE-NEHMEN.
Höchst spannend deine beruflichen Erfahrungen.

Ich werde demnächst in einem Mehrgenerationenhaus vor einer Kindertheatergruppe spielen, sowie in einem Seniorenheim.Dort werde ich auch keine Spende nehmen, schon weil die Leute dort auch wenig Geld haben.

Brigitte
18.05.2012 18:33
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Ulrich Chmel Offline
ulrichderkulissenschieber
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Beiträge: 368
Registriert seit: Oct 2010
Bewertung 2
Beitrag: #10
RE: Protokoll einer Aufführung
Ihr Lieben alle!
Auch ich spiele mehrmals im Jahr für die katholische Pfarrcaritas meiner Heimatpfarre, aber auch für die evangelische Diakonie in einem anderen Bezirk Wiens ohne etwas dafür zu nehmen. ich achte aber darauf, dass dort ordentlich gespendet wird, um für caritative Zwecke Geld zu sammeln. Auch spiele ich immer wieder für die Kinder - und deren Freunde - in unserem Wohnhaus, oder auch im Freundeskreis, nur aus lauter Lust am Spiel. Anders ist es bei Auftritten in Puppentheatern, Festivals, bei öffentlichen Auftritten etc. Da ersuche ich um Spenden im Sinne eines Unkostenbeitrages. Allein eine Postaussendung kostet etwa 200 € (bei günstigem Tarif). Auch das Kopieren von Einladungen, kleinen Plakaten, notabene Kulissen und Figuren, leaflets etc. kostet Geld. Trotz der Spenden bleibt aber Papiertheater ein kostspieliges Hobby - welches ungemein viel Freude bereitet, durch welches man mit vielen, vielen netten und interessanten Menschen zusammenkommt.
Euer Ulrich

Ulrich Chmel
Ulrich Chmel's Papiertheater - Wien
ulrich.chmel@papiertheater.at
19.05.2012 08:02
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