RE: Frage zum Illusteret Familie Journal
oha.... da ist mir doch glatt mein eigener faden in seiner weiterführung entgangen.... (komisch. ich sehe hier regelmäßig rein, habe aber den höchst spannenden beitrag von herrn schmitt-sieger nicht wahrgenommen. ich bitte um entschuldigung, falls das indirekt zu einer kränkung beigetragen haben sollte!)
ja. ein höchst spannendes thema. auch für mich von meiner (ex)beruflichen seite gesehen - nämlich der der kunsterzieherin und vermittlerin von kunst- und kulturgeschichte für junge menschen und kinder.
da zu der erkenntnis zu führen, dass wir lediglich "zeugnisse" eines prozesses sehen, wenn wir kunst betrachten, die nicht dem hier und jetzt entspringt, und kunst weit mehr ist als kunstfertigkeit in darstellung, ausführung o.ä... ist m.E. das AundO und mit das schwierigste überhaupt.
denn immerhin wird ja alles so blind "verehrt", was "alt" ist. das "gehört sich so", wenn es um kunst geht. warum eigentlich? warum darf ich etwas von einem alten meister nicht dennoch "gefällt mir nicht" finden?
eben. darf ich doch. ich darf es nur nicht verwechseln mit
"das kann ich auch" oder
"da kann ich nichts erkennen" oder
"das wirkt total doof, weil altmodisch" oder
"sagt mir nichts, weil mir die mittel fehlen, es richtig deuten zu können" (weil ich schlicht in der falschen zeit bzw. kultur lebe, um das werk richtig auf mich wirken lassen zu können).
aber das ist hier im forum tatsächlich zu weit führend und auch ein wenig abseits vom thema im direkten bezug zum papiertheater.
ich behaupte, das papiertheater berührt auch heute. wer einmal eine beseelt gemachte vorführung gesehen hat (samt dem gebannten und verzauberten publikum), wird das bestätigen.
aber es berührt durch anderes als damals.
insofern gebe ich ihnen, herrn schmitt-sieger, völlig recht und glaube zu verstehen, was sie sagen möchten.
im heute verschmilzt beim papiertheater vieles miteinander, das damals eben gar nicht alles thema war: z.bsp. das nostalgie-gefühl, das wandeln auf alten spuren, der versuch nachzuspüren, was da einmal "war" (und "wie"). das verklärt heute sicherlich das mit, was auch damals im ästhetischen sinne wahrgenommen wurde bzw. wirkte.
die optik ist, wie brigitte ja auch nicht unwichtig sagt, ja auch heute nicht mehr ganz so hinzubekommen, wie sie war. denn moderne nachdrucke haben dann nicht mehr diesen gilb-nostalgischen flair, den man ja auch irgendwie schätzt.
dasselbe phänomen wie seinerzeit bei der sixtinischen kapelle nach der restaurierung, als fresken eines michelangelo plötzlich als "zuckerlbunt" geoutet wurden. und die menschen der moderne ihr bild von den kunstwerken des 15. jahrhunderts revidieren musste. ebenso, wie griechische statuen nicht alle reinweiß waren...
der "zahn der zeit" als fehlzudeutender faktor für die, die in der jetztzeit auf vergangenes schauen. der ist nicht zu unterschätzen.
wie sähen die proszenien aus, wären sie heute nach den alten vorbildern frisch nachgedruckt und ohne gilb und verblassen? auch ist da ja die frage des geschmacks mitbeteiligt: den einen sind die zuckerlbunten englischen proszenien zu bunt, den anderen die dezenter gehaltenen proszenien der schreiber-, scholz- und anderen -bühnen zu blass...
solls nun nach "alt" aussehen oder nicht? fürchtet man dann, in den verpönten bereich des kitschs abzurutschen? (und wenn ja - wäre das tatsächlich so schlimm?)
copy-shop-erfahrungen zu den druckergebnissen der dänischen papiertheater-vorlagen sind für mich persönlich jedenfalls sehr interessant.
was genau, @brigitte l.,
ist qualitativ so enttäuschend? würde bildbearbeitung am pc vor dem ausdrucken das beseitigen können? oder ist es ein anderer faktor, den ich nur nicht nachvollziehen kann, weil eben nicht "fühlbar"?
fürwahr - ein spannendes thema!
liebe grüße,
die amelie
nachtrag: (weil eben ein dermaßen spannendes thema ist - und "gut, dass harry damit angefangen hat!!!" ;-) )
was aber auch heute noch - unabhängig von der zeitlichen "entwurzelung" - wirkt, beginnt schon bei der auswahl und herstellung der szenen, figuren und den überlegungen für die inszenierung selbst... und auch, wenn die heutigen mittel dabei zum einsatz gelangen: der prozess an sich, die auseinandersetzung mit dem "wie bringe ich das ins bild, was ich erzählen UND zeigen möchte, damit es so wirkt, wie ich es beim betrachter angekommen wissen möchte" ist heute noch derselbe schaffensprozess wie damals.
und der erfüllt auch heute noch gleichermaßen und der ist es auch, der auf das publikum wirkt. egal, wie nah oder fern ich mich jetzt von den vorlagen der originale bewege. solange ich dabei MEINE version der geschichte auf MEINE art (und halbwegs gut gemacht und klar) erzähle, ist es immer authentisch und wirkungsvoll, behaupte ich.
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