RE: Bachelor-Thesis: Eine kleine Einschätzung gewünscht
Vielen Dank schonmal für das Interesse!
Wahrscheinlich hab ich das Thema wirklich etwas zu oberflächlich und salopp formuliert.
Eigentlich besteht das Thema (laut Aufgabenstellung) wirklich nur darin zu erläutern, inwiefern es möglich ist, Medien wie eben Laser, Video etc verstärkt in das Papiertheaterspiel einzubinden. Das Papier spielt zwar augenscheinlich die Hauptrolle, wird aber unterstützt durch verschiedene visuelle und akustische Effekte oder auch ironisiert...
An der Thematik habe ich bereits schon letztes Semester gearbeitet und auch einiges praktisch erfahren können. Z.B. können Effekte verstärkt werden, Tiefen erzeugt, das Bild einfach spannender gestaltet werden, wovon auch letztendlich die Geschichte profitiert usw.Das Thema ist längst noch nicht ausgeschöpft, aber auch nicht Hauptbestandteil meiner Frage hier.
Mir geht es hier nun um eine Schlussfolgerung, die ich am Ende der theoretischen Thesis ziehen soll. Ansatzpunkt für diese Schlussfolgerung ist die Analyse der Papiertheaterszene, ihre Entwicklung seit ihrer Entstehung und ihre Selbstdarstellung heute.
Den geschichtlichen Hintergrund habe ich soweit schon erfasst, habe viel im Internet geschaut und gelesen, unser Prof hat uns viel erzählt, war bei Dirk Reimers und hatte die Möglichkeit vier Wochen lang mit Robert Poulter zu arbeiten.
Trotzdem ist es schwer, die Meinung der aktuellen Papiertheaterszene zu erfassen und die Stimmung und Tendenzen darin. Viele halten an dem klassischem Papiertheater fest. Rümpfen die Nase über Stücke, die nicht diesem klassischem entsprechen. Frei erfundene Figuren und Geschichten werden skeptisch beäugt, WENN es um das Thema geht "Ist das Papiertheater oder nicht?".
In Preetz wurden wir gelobt und hatten durchweg positive Resonanz, dennoch wurde viel kritisiert, wenn wir auf Leute trafen, die uns mit Papiertheater verglichen. Unsere Bühne fiel aus dem Rahmen, Licht und Sound wären zu aufwendig und zu pompös gewesen, man hat uns Spielende hinter der Bühne weder gehört noch gesehen usw.
Die Leute, die da waren, waren ja (hoffe ich) nur ein kleiner Teil der Papiertheater-Szene. Die anderen Spielenden haben uns willkommen geheißen in ihrer "Runde", uns mangelte es zwar an Erfahrung, dennoch haben wir alle positiv überrascht.
Nun habe ich diese zwei Seiten: Einmal die Fraktion, die an dem klassischem Papiertheater festhält, mit klassischen Schneidebögen, eine Bühne hinter der der Spielende gut sichtbar "mitspielt", klassische Geschichten usw und zum anderen die, die das ganze anders angehen, ein bisschen modernen Schnick-Schnack einbinden und eigentlich nur von der Essenz des Papiertheaters ausgehen, nämlich 2Dimensionale Figuren in einen 3Dimensionalen Raum agieren zu lassen, großer Interpretationsspielraum möglich.
Dass sich diese beiden Fraktion ausschließen, will ich nicht sagen, aber dennoch werden Leute wie schon genannt Rober Poulter, Fred Ladoué, wir selber belächelt, wenn es darum geht zu beurteilen, ob das denn überhaupt Papiertheater sei. Andererseits hat Poulter immer wieder betont, dass er kein Papiertheater macht, sondern "New Model Theatre".
Ziemlich verwirrend das ganze, zumindest wenn man nun dazu gezwungen wird, sich auf die "Papiertheaterszene" zu berufen.
Ich wollte eigentlich nur ein persönliches Gefühl dafür bekommen, wer denn eigentlich diese Szene ist und wie sie denn auf den Einsatz von modernen Techniken reagiert würde.
Um die gesellschaftliche Bedeutung vom Papiertheater geht es mir zunächst gar nicht so stark. Inwiefern sich eine Modernisierung vom Papiertheater auf die Popularität auswirken könnte, möchte ich auch zunächst nicht eingehen.
Also zum Schluss eigentlich nur die ganz profane Frage: Wie schätzt ihr/ schätzen Sie, als Mitglied der Szene, die Reaktion auf den Einsatz von Lasern, Videos, Sound etc. in der Spielpraxis vom Papiertheater ein und wie seht ihr/sehen Sie das persönlich?
Gibt es diese Möglichkeit überhaupt, sind Tendenzen da, könnte es akzeptiert werden oder steht das ausser Frage und müsste im Falle eines Falles vielleicht eine Unterkategorisierung unter dem Oberbegriff "Papiertheater" eingeführt werden? Oder vielleicht eine ganz neue Bezeichnung...
Liebe Grüße
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